Startseite » Allgemein »

Ein Global-Player nimmt Anlauf

Löttechnikspezialist Seho verbreitert Präsenz auf ganzer Linie
Ein Global-Player nimmt Anlauf

Anzeige
Eine bemerkenswerte Entwicklung legt seit gut fünf Jahren Lötmaschinenspezialist Seho aufs Parkett. Neu- und weiterentwickelte Lötanlagen lassen die Zahl der installierten Basis hochschnellen – und zudem werden neben den europäischen auch Märkte in USA, Australien und Südostasien erschlossen. Mit Geschäftsführer Horst Lettner und Marketingleiter Johannes Neupärtl sprach Gerhard B. Wolski über die Absichten, Ergebnisse und Entwicklungen in der Löttechnik.

Das Unternehmen hat in den letzten Jahren seine Aktivitäten enorm ausgebaut, hat jedoch auch vorher sehr erfolgreich am Markt agiert. Wie ist die aktuelle Lage ?

Als ich die Geschäftsführung des Unternehmens 1993 übernahm, fand ich eine hervorragende Basis vor, um die Firma weiterzuentwickeln. Seho war und ist der Weltmarktführer bei Stickstofflötmaschinen, hier haben die Vorbesitzer gute Arbeit geleistet. Derzeit fertigen wir jährlich über 350 Lötanlagen, Tendenz weiter steigend. Wir haben bisher weltweit rund 7000 Anlagen installiert. Unser Marktanteil in Deutschland im Wellenlöten beträgt circa 50 % (Stickstoffmaschinen allein 70 %), Reflow und Welle zusammen etwa 30 %. In Europa erreichen wir einen Gesamtmarktanteil von über 20 %. Unser Wellenlötmarktanteil im industriell aufstrebenden Indien beträgt rund 70 %, in Australien 30 % und Nordamerika 5 bis 10 % (stark steigend). In Südostasien haben wir erst 1995 angefangen, wir konnten uns bereits einen Anteil von 5 % erarbeiten. Unsere gute globale Präsenz ist auf die ausgezeichnete Arbeit unserer Distributoren zurückzuführen, bei deren Auswahl wir sehr kritisch vorgehen.
Sind Sie im Reflowbereich ein Spätstarter?
Wir haben bereits 1988 Stickstoff-Reflowöfen auf IR-Basis gebaut, damals wurde zusammen mit Bosch die Stickstofflöttechnik entwickelt. Doch Vollkonvektions-Reflowofen haben wir erst 1994 vorgestellt, das war vergleichsweise ein später Einstieg. Dem ging aber eine sehr genaue Marktanalyse und die technologische Umsetzung der Anforderungen voraus, deshalb sind wir mit einem modernen Maschinenkonzept gestartet. Unsere derzeitige Fertigungskapazität betrug bisher jährlich 60 Reflowöfen und wird nun um 50 % ausgebaut. Wir sehen hier unser Ziel darin, Anwender, die von der Welle kommen, einen optimalen Einstieg ins Reflow-Verfahren zu bieten. Dazu gehört auch die Vermittlung von Know-how für den Prozeß. Reklamationen wollen wir grundsätzlich vermeiden. Wir halten uns zugute, daß wir sehr gezielt auf Anwenderanforderungen eingehen, um mit Optionen oder Varianten die optimale Lösung zu realisieren.
Was ist unter einem modernen Reflow-Konzept zu verstehen?
Zum Beispiel weisen alle Mitbewerberanlagen axiale Lüfter über der Heizzone auf, sie sollen das heiße Prozeßgas gleichmäßig verteilen. Wir haben mit strömungstechnischen Untersuchungen festgestellt, daß hier aber die Wärmeverteilung wegen stark abweichender Volumenströme nicht ideal ist. Insbesondere die Randbereiche der Baugruppen sind benachteiligt. Unsere Lösung hier sind tangentiale Lüfter, die zusammen mit der speziellen Prozeßgasführung exakte Wärmeverteilungen über die gesamte Heizzone mit einer Toleranz von nur ±1K (Delta T) sicherstellen. Wir haben hier über 2 Jahre grundlegende Entwicklungsarbeit geleistet, bis hin zu den Lagern der Tangentiallüfter. Unser technologischer Vorsprung ist an dieser Stelle eindeutig erkennbar. Anwender, die in der Evaluationssphase das marktübliche Equipment untersuchen, bestätigen das. Wir haben natürlich unsere Entwicklungen zum Patent angemeldet, das sollte direkte Kopien unmöglich machen.
Im Grunde sitzt der Lötofen am Ende einer mehr oder weniger langen Prozeßkette, in der alle einzelne Stationen Einflüsse auf das Lötergebnis haben.
Natürlich gehen alle Fertigungsschritte wie Schablonendruck der Lotpaste, das Pastenmaterial selbst sowie Bestückung und der Zustand von Leiterplatte und Bauteilen auf das letztlich erzielbare Lötergebnis ein. Daneben gibt es dann noch ökonomische Überlegungen. Nehmen wir als Beispiel Oxidationshemmer in Pasten, die eine durchaus kostenaufwendige Stickstofflöttechnik überflüssig machen sollen. Die Fragen sind hier dann, welche eventuell unerwünschten Effekte haben die Oxidationshemmer, oder sind solche Pasten selbst dann so kostenaufwendig, daß kein nennenswerter Vorteil gegenüber dem Stickstoffeinsatz vorhanden ist? Wobei zu beachten ist, daß der Schutz vor Nachoxidation an Bauteilpin, Pad und Lotpaste auch künftig den Stickstoffeinsatz erforderlich macht, damit möglichst weite Prozeßfenster vorhanden sind. Wir werden tatsächlich mit einer Fülle von Prozeßeinflüssen „bombardiert“, mit denen wir uns ernsthaft auseinandersetzen müssen. Wir sind das letzte Glied in der Kette, und sollte ein Lötergebnis nicht den Erwartungen entsprechen, sucht man zuerst die Ursache in der Lötanlage. Doch vor dem Ofen stehen noch viele andere Prozesse, die alle ihren Teil beitragen. Für uns heißt das, wir müssen stets über den gesamten Fertigungsprozeß und alle erdenklichen Einflüsse aus den anderen Bereichen auf dem Laufenden sein.
Partnerschaften sind bei technologischen Abläufen sehr wichtig, mit wem kooperieren Sie?
Natürlich arbeiten wir mit anderen Unternehmen zusammen, denn bei komplexen Systemen bzw. Technologien wird auch immer Fachwissen aus anderen Bereichen benötigt. Unser Partner auf der Stickstoffseite ist Air Liquide, weltweit der größte Gashersteller. Partnerschaften beginnen eigentlich schon im Entwicklungsstadium, so auch hier. Wir haben als Lösung zwischen Vollstickstoffmaschinen und atmosphärischen Anlagen zusammen mit Air Liquide eine Stickstoffhaube entwickelt. Aufgrund unserer Patentsituation konnte der Partner seine Entwicklung patentfähig machen. Unser Stickstofftunnel ist mit einer patentierten Schürze abgedichtet, die in das Lotbecken eintaucht und damit gegenüber der Atmosphäre isoliert. Strategische Zusammenarbeit wurzelt also in F&E und umfaßt natürlich auch die Kundenkontakte, wo wir unsere Kooperationen stets verdeutlichen und in der Lösung bzw. dem Package auch jeweils die Leistung der Partner mit anbieten. Bei der nachrüstbaren Stickstoffhaube sieht mittlerweile unser Angebot so aus, daß ein Kunde die komplette Einheit inklusive Stickstoffversorgung auf Mietbasis erwerben kann, ohne die Haube kaufen zu müssen. Wir offerieren diesen Service nun für alle nachrüstfähigen Lötanlagen des Marktes, nicht nur für Seho-Equipment. Wir kooperieren auf globaler Basis. Das schließt auch gemeinsames Auftreten auf Messen mit ein. Nachdem es viele Regionen gibt, in denen eine kontinuierliche Belieferung mit Gasen nicht zu gewährleisten ist, ist auch die Luftzerlegung direkt vor Ort an der Lötmaschine ein realisierbares Modell.
Welche Partnerschaften bestehen noch?
Im Bereich der Transport- und Prüfsysteme arbeiten wir mit Indus-Tekona zusammen. Boards für Airbags zum Beispiel prüft man bei – 40 und bei + 120 °C, wir offerieren hier eine gemeinsame Lösungen, wobei das elektrische Testsystem von einem Drittlieferanten stammt. Im Lotpastendruck heißt unser Partner DEK. Multicore ist bei Flußmitteln, Lötzinn und Lotpasten ein wichtiger Partner. Klar, wir wollen einerseits unseren Kunden mehr als Löttechnik bieten – und zum anderen ist es nötig, in der Prozeßexpertise die anderen Schritte gut zu verstehen, um Aussagen wie „lötet nicht richtig“ sachgerecht auf den Grund gehen zu können. Wir empfehlen uns gegenseitig und arbeiten bei Projekten sehr eng zusammen. Grundsätzlich haben wir jedoch auch mit anderen Equipmentlieferanten keine Berührungsängste bei der Realisierung von Linien.
Ein Global-Player muß sich vielen Herausforderungen stellen. In USA – und bald auch an anderen Stellen – favorisierte man wasserlösliche Chemikalien.
Wir haben diese Zeichen rechtzeitig erkannt, seit einiger Zeit bestehen unsere Maschinen dort, wo sie mit wasserlöslichen Chemikalien in Berührung kommen, aus rostfreiem Stahl und in Sonderfällen auch aus Titan. Im Fluxer der Wellenlötanlagen wurden die Düsen verändert, um dem Übergang vom Lösungsmittel auf Alkoholbasis zu Wasser zu ermöglichen. Auch die Vorheizung haben wir geändert, denn die Wärmeinhalte von Alkohol und Wasser sind unterschiedlich. Jetzt wird mehr Energie benötigt, um Wasser zu verdampfen und abzuführen (Alkohol verflüchtigt leichter). Unsere globalen Kooperationen sind sehr hilfreich, weil man in der Anwendung der neuen Technolgie in den USA tatsächlich schon weiter ist. Wir entwickeln derzeit beispielsweise die Kolophoniumfalle weiter zu einem kompletten Flußmanagementsystem. Dabei kann der Benutzer die Rückstände einfach entfernen. Er braucht nur eine Schublade herausnehmen und eine frisch gereinigte Schublade einschieben. Der Lötvorgang muß dazu nicht unterbrochen werden.
Ein weiteres Thema ist bleifreies Lot auf Basis von Kupfer, Silber, Gold- und Palladium- für den Maschinenhersteller schon eine große Aufgabe?
Wir haben bereits seit Jahren einige Lötanlagen im Feld (USA, Singapur und Deutschland), die mit Silberloten bei 300 bis 320 °C arbeiten. Lottiegel, normalerweise auf 260 °C aufgeheizt, müssen hier auf circa 340 °C kommen. Natürlich sind bleifreie Lote und Zinn momentan immer noch die Ausnahme, aber es ist damit zu rechnen, daß sich dieser Anwendungstrend verstärkt. Die Legislative hat die Problematik des Bleianteils beim Elektronikschrott erkannt, und sicher ist in einigen Jahren mit bestimmten Auflagen zu rechnen. Wir kennen die Aufgabenstellung beim Bleifreilöten bestens, wenn heute ein Anwender solch eine Lösung benötigt, erhält er sie von uns. Wir haben auf der wissenschaftlichen Seite zu diesem Thema enge Kontakte zu einigen Hochschulen und Konzernen. Wie sich die Situation insgesamt entwickeln könnte, ist heute nicht absehbar, es gibt viele Variable und die Kosten für bleifreies Lot sind hoch
Seho wurde von den beiden Initiatoren Seitz und Hohnerlein, ehemaligen Ersa-Mitarbeitern, 1976 gegründet im deutschen „Bermudadreieck“ der Löttechnologie (liegt praktisch zwischen Aschaffenburg, Würzburg und Wertheim). Nach Aussage von Geschäftsführer Horst Lettner hat das Unternehmen die umfangreichste Palette von Anlagen für das industrielle Maschinenlöten. Neben Wellen- und Reflowanlagen (die auch in Stickstoffausführung erhältlich sind) hat man auch sehr deutliche Akzente beim Selektiv- und Laserlöten gesetzt. Nun kommt aus einer Kooperation noch eine neuartige Kondensations-Durchlauflötanlage hinzu, die jedoch mit den früheren Dampfphasenlötmaschinen und ihren ökologischen Problemen nichts mehr gemein hat. Zudem wurde auch für Inspektion von Lotpastendruck und Lötstellen ein äußerst wirtschaftlich einsetzbares Visionsystem entwickelt. Forschung, Entwicklung und Fertigung sind grundsätzlich in Kreuzwertheim lokalisiert, eigene Vertriebs- und Serviceniederlassungen bestehen in den USA, in England und Australien. Im weltweiten Netz für Sales und Support sind 31 Vertretungen integriert, die insgesamt in 40 Ländern tätig sind. Derzeit hat das mittelständische Unternehmen 150 Mitarbeiter (ohne die Repräsentanten), davon allein 125 am Firmensitz in Kreuzwertheim, in dem sich auch das Anwendungslabor und Trainingszentrum befinden. Bei den Lötseminaren arbeitet man eng mit den international renommierten Spezialisten Prof. Armin Rahn zusammen. Die F&E-Ausgaben betragen durchschnittlich 8 % vom Umsatz. Im Jahre 1997 konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 20 % gesteigert werden, für 1998 erwartet man ein ähnliches Wachstum.
Anzeige
Schlagzeilen
Aktuelle Ausgabe
Titelbild EPP Elektronik Produktion und Prüftechnik 11
Ausgabe
11.2020
LESEN
ABO
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Videos

Hier finden Sie alle aktuellen Videos

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de