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Outsourcing von Elektronik im Wandel

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Philip Stoten (Twitter: @philipstoten)

Nachdem das Jahr 2013 vorüber ist und wir uns in 2014 befinden, lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, wohin sich die Elektronikherstellung in der Welt bewegt, und vielleicht noch wichtiger: Was sind die Treiber dieser Entwicklungen.

Beginnen wir bei der Untersuchung der Einflüsse, die uns zur derzeitigen Situation gebracht haben und überlegen, welche Entwicklungen diesen Wandel beeinflusst haben könnten.
In den 90er sowie den frühen 2000er Jahren schienen der alleinige Treiber die Personalkosten zu sein, die im hohen Maße die westliche Industrie nach Asien, und hier insbesondere China, strömen lies. Gleichzeitig haben wir, stets China in der Hinterhand, auch die Investitionen für Produktionsstätten in Zentralamerika, überwiegend Mexiko für den Markt in den USA, osteuropäische Länder wie Polen, Rumänien und Ungarn für den Verbrauchermarkt in Westeuropa, vorangetrieben.
Das Outsourcing in Richtung Asien beschleunigte sich, da internationale EMS Unternehmen dort Fabriken gebaut haben und dort ansässige EMS- und ODM-Unternehmen an Einfluss und Größe zunahmen. Viele Fabriken mussten daraufhin in Europa schließen, da OEMs nach Asien verlagerten und andere daraufhin einfach ihre Produktionen in deren Umfeld ansiedelten.
Inzwischen hinkt Mexikos Wachstum inmitten von Themen wie Kriminalität, Sicherheit und politische Stabilität. Osteuropa dagegen leidet an schlechter Infrastruktur, ungenügender Supply-Chain-Unterstützung und mangelnden Investitionen.
Als China sich während der 90iger und 2000er Jahre zur Fabrik der Welt entwickelte, wuchs dort ebenfalls die mittelständische Bevölkerung und die Region begann als Verbraucher eine wichtige Nation zu werden. Die Industrie polarisierte die Massenproduktion mit Fokus in China, kleinere Volumen mit einem hohen Produktmix verblieben in Europa und den USA.
Die Saat der Veränderung
Allerdings scheinen die Dinge sich zu ändern und wir haben in den letzten Jahren begonnen, über Reshoring, also Zurückverlagerung, zu sprechen oder hören Sätze wie kundenindividuelle Massenfertigung, Nähe zum Kunden, Direktlieferung und nicht zuletzt Industrie 4.0. All diese Faktoren sind Gründe für eine gleichmäßiger verteilte Präsenz der Produktion, während neue Regionen wie Russland (inklusive seiner ehemaligen Sowjet-Staaten wie die Ukraine), Brasilien und Indien an Bedeutung als Verbrauchermärkte und mögliche Produktionsstandorte gewinnen.
Also befinden wir uns nahe an einem „Perfect Storm“. Und was könnte sich daraus ergeben? Für mich gilt es da jedoch zuerst eine Reihe von Fragen zu prüfen:
  • 1. Die erste betrifft das Reshoring. Während das „Made in America“ noch Bedeutung hat und die Stimmung gut ist, scheinen die wirklichen Gewinner des Reshoring, ich bevorzuge ja Right-Shoring, eher Zentral/Mittelamerika zu sein. Nicht Nordamerika, nicht Ost- noch Westeuropa. Ich bevorzuge den Begriff Right-Shoring, weil die Lieferketten intelligenter werden, die perfekte Lösung für sowohl Lieferkette als auch Herstellung eines erfolgreichen Produktes. Und aufgrund dessen wächst der Markt. Dieser intellektuelle Ansatz spielt hauptsächlich für die großen, global agierenden Dienstleistern eine Rolle, um flexibler zu sein.
  • 2. Der zweite Punkt, den es zu bedenken gilt, ist die Verbrauchergewohnheit nach dem Wunsch einer kundenindividuellen Massenfertigung, woraus sich eine Direktlieferung an die Kunden ergibt. Wir sehen bereits Beispiele für „Mass Customization“ wie die Moto X-Fabrik von Flextronics in Texas, die in kurzer Produktionseinführungszeit den US-Verbraucher mit in Masse gefertigten, und dennoch kundenspezifischen, Produkten beliefert. Das erste in den USA gebaute Smartphone ist eher eine Folge der Konsumgewohnheiten, als ein erfolgreiches „Made in America“-Programm.
  • 3. Als nächstes müssen wir die Lohnkosten berücksichtigen. Hier spielen zwei Dynamiken mit: Zum einen werden die Löhne einen ständig kleiner werdenden Teil der Kosten bei jeglichen Themen rund um die Elektronik bestreiten. Zum anderen steht eine deutliche Herausforderung durch die Lohninflation in China. Denn obwohl sich die Gehälter in China um knapp 20% pro Jahr erhöhen, sind die Steigerungsraten wesentlich geringer als sonstwo, nahezu vergleichbar mit Mexiko und einigen osteuropäischen Ländern wie Polen oder Rumänien.
  • 4. Schließlich sollten wir in unseren Überlegungen miteinbeziehen, wo sich die Anwender der Produkte befinden. Dabei geht es eindeutig nicht nur um die großen Verbraucherregionen von Nordamerika und Westeuropa, obwohl sie immer noch sehr wichtig sind. Länder wie Brasilien mit ihren Tarifen haben die Entscheidung der Hersteller beeinflusst, entweder lokal oder in Mittelamerika, wo günstigere Handelsabkommen erwartet werden, zu investieren.
Wie beeinflusst dies das Jahr 2014?
Natürlich wird China seine Spitzenposition weiter halten, nicht nur weil es große Macht hat, sondern weil die Lieferkette in China sehr gut entwickelt ist. Und nachdem das Thema Lohnkosten wichtig ist: Es gibt noch viel Plätze in China, wo die Löhne nach wie vor sehr niedrig sind, vor allem weiter weg von den Küstenregionen Shanghai und Shenzhen.
Ich für mich denke, Mexiko kann ein gutes Jahr mit zunehmender Bedeutung erwarten und zeigt sich als zuverlässige Region mit nachhaltig niedrigen Kosten. Dies trifft vielleicht auch auf Osteuropa zu, insbesondere seit Länder wie Rumänien und Bulgarien eine größere Rolle in der EU spielen. Nach Aussagen zufolge sollen im Übrigen bereits Fertigungslinien von China nach Mexiko verlagert worden sein.
Insgesamt ist es eher ein rationaler Denkansatz zur Supply Chain aber durchaus sinnvoll. Dies sollte zu gleichmäßiger verteilten Produktionsstandorten sowohl im niedrigeren, als auch höherem Kostenumfeld, führen, stets mit mehr Augenmerk auf das Produkt, wo es gebraucht wird und was dazu benötigt wird.
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