25 Jahre Rehm: Interview mit dem Geschäftsführer Johannes Rehm

Qualität, Innovation und technisches Know-how

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Rehm Thermal Systems ist führender Hersteller von Fertigungsequipment für die Elektronik- und Photovoltaikindustrie, darunter Reflow-Lötsysteme mit Konvektion, Kondensation und Vakuum, Trocknungs- und Beschichtungsanlagen sowie Systeme zur Metallisierung von Solarzellen. Im April 2015 feiert das Unternehmen 25-jähriges Firmenbestehen. Seit 1990 steht Rehm für Qualität, technologisches Know-how und Innovation. Wir haben mit Geschäftsführer Johannes Rehm zurückgeblickt. Lesen Sie mehr über seinen Erfindergeist und den Anspruch immer einen Schritt voraus zu sein.

Herr Rehm, ein Vierteljahrhundert ist es nun her, dass Sie sich mit Rehm Anlagenbau, jetzt Rehm Thermal Systems selbstständig gemacht haben. Was macht die Anfänge der Firma aus?

Jeder neue berufliche Schritt birgt Risiken, bringt aber genauso Erfolge. Das macht den Reiz einer solchen Herausforderung aus. Bereits in meiner Zeit als Angestellter war es mein großes Ziel, eigene Ideen umzusetzen, innovative technische Lösungen zu finden und Lötsysteme für verschiedene thermische Anwendungsfelder zu konstruieren und zu bauen. Nachdem vor 25 Jahren die Nachfrage nach kleinen, günstigen Lötanlagen immer größer wurde, konnte ich dieser Motivation im April 1990 folgen und den Traum von der eigenen Firma realisieren – mit Wolfgang Zeifang als ersten Mitarbeiter, der heute technischer Betriebsleiter bei Rehm ist. Unsere Idee, kleine Reflow-Lötanlagen mit leicht zugänglicher, zu öffnender Prozesskammer zu fertigen, hatte Erfolg. Der nächste Schritt war, diese Anlagen für den betrieb unter Stickstoffatmosphäre gasdicht zu bauen. Auch das gelang und wir konnten das Interesse einiger namhafter Kunden wecken.
Sie starteten als Zwei-Mann-Firma: eine große Herausforderung!
Stillstand ist für mich ein Fremdwort. Dieser Wert prägt Rehm als Unternehmen bis heute. Nach der Firmengründung haben wir jeden Arbeitsschritt selbst umgesetzt – von der Idee über die Konstruktion bis zur fertigen Maschine. Als Werkstatt diente uns in den Anfängen eine Garage auf der schwäbischen Alb. Hier haben wir die Teile für die ersten Systeme auf engstem Raum geschweißt und lackiert. Mit wachsendem Erfolg mieteten wir schließlich ein größeres Gebäude mit 45m² Produktionsfläche und Sozialräumen in Gamerschwang bei Ehingen. Hier hatten wir mehr Platz, unsere Anlagen zusammenzubauen und auch Kunden zu empfangen. Da sich die Räumlichkeiten in einem umgebauten Landwirtschaftsgebäude befanden, kann ich mich noch an einige lustige Kommentare erinnern, denn damals war es mehr als ungewöhnlich, dass Hightech auf dem Ländle entsteht. Ab 1992 wurde es dann auch in den bestehenden Räumlichkeiten zu eng. Wir schauten uns nach Örtlichkeiten um, die es uns ermöglichten, ein eigenes Unternehmensgebäude zu bauen. Dies wurde dann auch 1993 in Blaubeuren-Seissen am heutigen Firmensitz von Rehm Thermal Systems umgesetzt. Anfang 1994 konnten wir die neuen Geschäftsräume beziehen. Seither haben wir stetig erweitert, zuletzt 2013 um einen weiteren Neubau und ein hochmodernes Technologie- und Applikationscenter.
Sie haben viele Entwicklungen der Elektronikindustrie erlebt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Erfolg ist mehr als eine messbare Verkaufszahl. Er äußert sich vielmehr in zufriedenen Kunden, motivierten Mitarbeitern, langjährigen Geschäftskontakten und technischem Fortschritt. Rehm profitiert bis heute von der enormen Expansion vom kleinen schwäbischen Mittelstandsunternehmen zum Global Player. Uns gelang es dabei immer wieder neue Standards in der Branche zu setzen. Das schätzen auch unsere Kunden und Geschäftspartner, deren Wünsche wir nie aus dem Auge verlieren. Außerdem haben wir – früher wie heute – bei der Konstruktion und Herstellung unserer Anlagen stets die Trends der Elektronikwelt im Blick. Wir möchten innovative Systeme bieten, mit welchen unsere Kunden ihren Wettbewerbern immer einen Schritt voraus sind. Und ein Unternehmen ist nur so gut wie sein Personal – für den Hauptteil des heutigen Erfolgs der Rehm Group arbeiten 450 kreative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Rehm ist also in vieler Hinsicht Vorreiter?
Unsere Kunden und ihre Ideen sind die größte Inspiration, neue Wege zu beschreiten und sich mit innovativen Technologien auseinanderzusetzen. Wir bieten heute ein großes Portfolio unterschiedlicher thermischer Systemlösungen an, darunter bewährte Serienmodelle, aber auch individuelle Sonderanlagen, die in dieser Art nicht am Markt verfügbar sind und in direkter Zusammenarbeit mit unseren Kunden entstehen. Vor allem in der Realisierung dieser spezifischen Applikationen können wir unser Know-how zeigen und langjährige Kundenkontakte pflegen. Tradition ist ebenso die Kooperation mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen. So haben wir zum Beispiel schon in den Gründerjahren mit der TU München zusammengearbeitet, um die Wärmeübertragung in Stickstoff-Reflowlötanlagen zu optimieren. Unser Fokus richtet sich natürlich auch stets auf aktuelle Branchenentwicklungen. 1990 waren Stickstoff-Lötsysteme gefragt, bei denen auch die Möglichkeit bestand, die Prozesskammer zu öffnen. Wir konstruierten eine Anlage, die alle Vorteile unserer ersten Luftanlage mit einer optimalen Lötatmosphäre unter Stickstoff vereinte. Um das Jahr 2007 boomten wiederum Solaranwendungen. Rehm schaffte mit seinen Fast Firing Systemen und den Solartrocknern zur Metallisierung von kristallinen Solarzellen den Einstieg in die Industrie der erneuerbaren Energien. Niedriger Energieverbrauch und Nachhaltigkeit ist das Leitmotiv der Gegenwart. Heute ist die Nachfrage nach umweltbewussten Anlagen viel größer. Rehm bietet nicht nur energieeffiziente Systeme wie beispielsweise die Reflow-Konvektionslötanlage VisionXP+, sondern auch exzellente Residue Management Systeme wie die Pyrolyse oder den Thermal Oxidizer, die die Umwelt messbar entlasten.
Die Produkte von Rehm stehen für Qualität und Innovation. Worin zeigt sich dieser Anspruch?
In erster Linie natürlich in der Bauart und Ausführung der Maschinen. Wir fertigen robuste, langlebige, auch nachrüstbare Anlagen, die flexibel in jede Produktionsumgebung integrierbar sind. Dadurch haben unsere Kunden ein größtmögliches Maß an Investitionssicherheit. Außerdem endet für uns die Verantwortung nicht mit dem Verkauf. Wir begleiten unsere Kunden über die gesamte Nutzungsdauer der Anlagen. Unser weltweites Service-Netzwerk ist rund um die Uhr erreichbar – egal ob es um eine Beratung oder um ein Ersatzteil geht. Unser Entwicklungsteam forscht, gemeinsam mit Kunden, Instituten und wissenschaftlichen Einrichtung stetig an der Neu- und Weiterentwicklung sowie Optimierung unserer Systeme. Damit jede Anlage höchsten technologischen und qualitativen Standards entspricht. Hierzu zwei Beispiele: Mit der Entwicklung unserer neuen Protecto-Anlage für selektive Conformal Coating Prozesse haben wir nicht nur das Rehm-Produktportfolio erweitert, wir können unseren Kunden erstmals eine gesamte Beschichtungslinie aus einer Hand anbieten. Protecto schützt empfindliche elektronische Baugruppen vor Beschädigungen durch Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Feuchtigkeit, Korrosion, Chemikalien und Staub. In Zusammenarbeit mit Air Liquide präsentieren wir in diesem Jahr außerdem die erste vollkommen kühlwasserfreie Stickstoff-Konvektionslötanlage.
Welche Themen werden die Elektronikbranche aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren prägen?
Ich denke, das Potential energieeffizienter, nachhaltiger Anlagen, also das große Thema Ressourcenmanagement, wird auch 2015 wichtig sein. Wir verfolgen weiterhin das Ziel, die Energie- und Stickstoffverbräuche unserer Anlagen zu senken, zum Beispiel durch Konzepte wie Wärmerückgewinnung oder die Mehrfachnutzung von Stickstoff. Auch im Bereich Warm- und Kaltfunktionstest entwickeln wir ein System, welches wir voraussichtlich in diesem Jahr anbieten können. Der technologische Anspruch steigt in der Elektronikbranche stetig an. Wearables und Cyber-Technologies prägen unsere moderne Gesellschaft. Intelligenz und Vernetzung sind in der Automobilindustrie besonders deutlich sichtbar. Die E-Mobility ist ein großes Thema in den nächsten Jahren. Intelligentes Frontlicht und Fahrassistenzsysteme sind bereits Gegenwart. Elektronische Fahrzeugkomponenten, ob high-power/high voltage oder integriertes Boardradar, werden immer anspruchsvoller, müssen aber trotzdem absolut sicher und zuverlässig funktionieren. Außerdem sind wir in interessante Forschungsprojekte zur Batterie- und Brennstoffzelltechnik involviert. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den Herausforderungen, die eine zunehmende Miniaturisierung der Bauelemente an den Lötprozess stellt und wie Lötverfahren durch den Einsatz von Vakuumtechnologien verbessert werden können. Natürlich interessiert uns auch der stetig wachsende LED-Markt, für den wir verschiedene Reel-to-Reel-Lötsysteme anbieten.
Rehm ist auch international bekannt. Wie zeichnen Sie die Schritte der Globalisierung nach?
Service vor Ort ist uns sehr wichtig. Da unsere Kunden auf allen Kontinenten vertreten sind, haben auch wir früh begonnen international zu agieren und in neue Absatzmärkte und Ressourcen zu expandieren. In Europa haben wir Niederlassungen in Ungarn und Tschechien. 1999 gelang uns mit der Gründung von Rehm USA der Sprung über den großen Teich. Seit 2007 haben wir außerdem einen weiteren Produktionsstandort im chinesischen Dongguan und fertigen dort Systeme speziell für die Anforderungen des asiatischen Marktes. Im letzten Jahr gründeten wir eine weitere Niederlassung in Mexiko, weil wir auch dort ein deutliches Interesse und Potential an neuester Reflow-Löttechnologie beobachten konnten. Heute sind wir mit insgesamt 26 Vertretungen in 24 Ländern weltweit präsent. Diese Expansion über die Jahre mitzuerleben macht mich besonders stolz.
Wie feiern Sie das Firmenjubiläum?
Im April dieses Jahres veranstalten wir anlässlich unseres Firmenjubiläums die Rehm Technologie-Tage. Viele Highlights erwarten unsere Kunden, Geschäftspartner und internationalen Vertretungen am 16. und 17. April. Wir bieten interessante Vorträge,
Präsentationen und Workshops unserer Forscher und Entwickler sowie Partner- firmen, die ganz im Zeichen technologischer Innovationen stehen. Wir informieren über bekannte und neue Lötverfahren und diskutieren gemeinsam zukünftige Entwicklungen in der Elektronikbranche. Am 18. April sind alle Interessierten herzlich zu einem „Tag der offenen Tür“ bei Rehm Thermal Systems in Blaubeuren- Seissen eingeladen. Infostände, Firmenrundgänge und Live-Demonstrationen unserer Anlagen, umrahmt von einem bunten Unterhaltungsprogramm, stellen die Firma Rehm mit ihren Produkten und als Arbeitgeber vor. Lassen Sie sich also überraschen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Abschließend: Woher nehmen Sie die Energie, um jeden Tag Ihr Bestes zu geben, wo tanken Sie auf?
Neben der Arbeit Kraft zu schöpfen, schafft im heutigen hektischen Alltag einen wichtigen Ausgleich. Ich finde die nötige Balance im Zusammensein mit meiner Familie.
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