US-Mischkonzern Illinois Tool Works (ITW) übernimmt nun auch Vitronics Soltec

Weiterer Lötspezialist unter einem Dach

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Keine Frage, unter dem Dach des US-amerikanischen Mischkonzerns Illinois Tool Works Inc. (ITW) entsteht derzeit eine aufschlussreiche Sammlung von wichtigen Firmen aus dem Bereich der Elektronikfertigung. Neben den bereits länger im Portfolio befindlichen Unternehmen Kester (Spezialist für Lötzinn) und dem Maschinenanbieter Speedline hat ITW jetzt alle Anteile der VS Acquisition Holding übernommen, der Dachgesellschaft des Lötmaschinenlieferanten Vitronics Soltec Corporation. Die Firma wird als eigenständige Geschäftseinheit im ITW-Unternehmensbereich Power Systems und Electronic Businesses weitergeführt, so die offizielle Aussage aus der US-Konzernzentrale. Und natürlich hüllt man sich über das Volumen der Transaktion in Schweigen – wie in solchen Fällen viel geübter Usus.

Vitronics Soltec, ein in Holland 1916 gegründetes Unternehmen, hat eine über 90-jährige Firmengeschichte und heute seinen Hauptsitz in Stratham, New Hampshire. Größere Niederlassungen bestehen in Oosterhout/Niederlande und Suzhou, China. Sales- und Supportzentren gibt es in den Vereinigten Staaten, Holland, Deutschland, Singapur, Malaysia, Korea und China (Shanghai). Weltweit hat Vitronics Soltec eigenen Angaben zufolge mehr als 15.000 Lötsysteme geliefert und installiert.

Florian Graf, Area Sales Manager Deutschland von Vitronics Soltec in Marktheidenfeld, nimmt auf Nachfrage der EPP-Redaktion kurz Stellung zur aktuellen Entwicklung. Er erhofft sich davon eine Unterstützung der hiesigen Aktivitäten. “Wir sind sehr froh darüber, denn das eröffnet uns bei Kunden bisher nicht mögliche Chancen”. Seinen Informationen zufolge wird das Unternehmen in der bisher bekannten Weise als eigenständige Einheit unter dem ITW-Dach weitergeführt. Irgendwelche Nachteile für Kunden und Anwender sind seines Erachtens nicht zu befürchten. Im Gegenteil, er sieht in der Ergänzung zwischen den ITW-Unternehmen Speedline und Vitronics Soltec viele Ansätze für sinnvolle Synergien bei Lösungen in der Elektronikfertigung. Und sicherlich dürfte auch die Präsenz von Kester im riesigen ITW-Firmenportfolio als renommierter, weltweiter Lieferant von Lotmaterialien dabei ebenfalls sehr hilfreich sein.
Allerdings ist in diesem Kontext das Equipment-Konglomerat Speedline, das vor neun Jahren aus den Maschinenfirmen für Elektronikfertigung von Cookson Electronics hervorging, doch noch einen genaueren Blick wert. Denn hier ist mit Accel ein Spezialist für Reinigungstechnik in der Mikroelektronik präsent, Camalot liefert Dispensingsysteme, MPM steht für Schablonen- sowie Siebdruck und Electrovert für Reflow-Lötanlagen. Der letzte Punkt bedarf wohl im Zusammenspiel der beiden Löttechnikfirmen Vitronics Soltec und Electrovert noch einige Abstimmungsarbeit unter dem ITW-Schirm, denn hier ergeben sich zumindest nach der Papierform doch diverse Überschneidungen. Auch wenn man klar konstatieren muss, dass sich Vitronics Soltec bisher mit Wellenlötanlagen und selektiven Lötsystemen einen noch größeren Namen als mit Reflowanlagen gemacht hat.
Jürgen Spahn, europäischer Vertriebs-Director von Speedline in Dreieich, sieht die momentane Entwicklung gelassen. “Wir berichten an Speedline in USA und von dort geht der Kontakt an ITW. Die neu akquirierte Vitronics Soltec Inc. aber berichtet direkt an ITW. Damit sind verschiedene Wege der Entscheidungsfindung verbunden. Zudem wird Vitronics Soltec jetzt in den Genuss der 20/80-Regelung der Konzerns (Redaktion: mit 20 % der Kunden 80 % der Geschäftstätigkeit) kommen und hieraus für seine geschäftliche Entwicklung wesentliche Impulse bekommen. Ich nehme an, bis wir uns über eventuelle Bewertungen im Lötmaschinenangebot zwischen den beiden Firmen unterhalten werden, dürfte noch einige Zeit vergehen”. Ganz ausschließen aber würde er jedoch solche künftigen Abstimmungen natürlich nicht.
Der knapp 100 Jahre alte US-Mischkonzern ITW betreibt auf sehr dezentralisierte Weise unter seinem sehr weit gespreizten Dach derzeit circa 825 Geschäftszweige in 52 Ländern und beschäftigt rund 60.000 Mitarbeiter. Es handelt sich um einen hoch diversifizierten Konzern mit sehr vielen unterschiedlichen Geschäftsfeldern. Man spricht von hochentwickelten Komponenten, industriellen Systemen und Konsumgeräten. Im letzten Geschäftsjahr 2007 konnte der Konzern einen Umsatz von 16,17 Milliarden Dollar erzielen. Dabei war es mit einem Ergebnis vor Steuern von 2,62 Mrd. Dollar hoch profitabel. Damit ist vermutlich auch die so genannte “Kriegskasse” für Akquisitionen sehr gut gefüllt, eventuell auch weiterhin. (Gerhard B. Wolski)
EPP 411
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