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Das „neue Öl der Wirtschaft“: Spielregeln für den Umgang mit Wissen in der Industrie 4.0

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Die Produktion und Fertigung verändert sich nachhaltig und wird in den kommenden Jahren völlig anders sein, als wir es aus der Vergangenheit kannten. Hierbei handelt es sich nicht um einen Trend, welcher kommt und wieder geht, sondern um eine echte Veränderung der Spielregeln. Wissen wird oft als das „neue Öl der Wirtschaft“ bezeichnet. Wissen und der Umgang mit Wissen wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Industrie 4.0. Exemplarisch werden die drei nachfolgenden neuen Spielregeln „Ideen vs. Effizienz“, „Wissen zirkuliert“ und „neue Fehlerkultur“ zur Nutzung und zum Umgang von Wissen als Beispiele neuer Rahmenbedingungen der Industrie 4.0 näher beleuchtet:

Neue Spielregel: Ideen vs. Effizienz
Gute Ideen und Innovationen fallen nicht vom Himmel. Dennoch wird von Mitarbeitern genau dies erwartet. Während in den vergangenen Jahren Effektivität und Effizienz gefordert wurden, sind es nun immer mehr ansteckende Kreativität, stimulierende Inspiration und frische Impulse. Dies überfordert manchen guten Mitarbeiter und löst unnötigen Stress aus. Burn-out und Work-Life-Balance sind Alltagsvokabeln geworden. Dabei ist es wirklich nicht so schwer, wenn Kreativität und Innovation nicht als etwas Aufgesetztes und Zusätzliches verstanden werden. Kreativität und Innovation können leicht gefördert werden, wenn intern entsprechende Strukturen aufgebaut werden. Dazu gehört die Möglichkeit, sich abteilungs- und unternehmensübergreifend auszutauschen, Kunden und Partner bei der Ideenentwickelung einzubinden und genügend Freiräume im Alltag für Querdenken und Tüfteln zu schaffen.
Vernetzen Sie sich mit Hochschulen, Forschungsinstituten und Fachverbänden. Verändern Sie immer wieder Routinen im privaten und geschäftlichen Alltag. Schaffen Sie kleine, kreative Störungen in der Einrichtung Ihres Büros, zu Beginn von Meetings oder in der Projektarbeit. Probieren Sie immer wieder neue Kreativitätstechniken aus.
Spielregel: Wissen zirkuliert
Autoritäre Experten und Wissen in den Händen weniger Privilegierter war die bisher vorherrschende Spielregel. Heute soll Wissen frei zugänglich, kollektiv und kollaborativ im Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinaus zirkulieren. Die Intelligenz eines Unternehmens wird nicht mehr an der alleinigen Intelligenz des Managements, sondern an der Intelligenz der kompletten Organisation gemessen.1)
Die zentrale Frage ist allerdings, wie motiviert man Mitarbeiter, das vorhandene Wissen im Unternehmen zirkulieren zu lassen und neues Wissen dauerhaft zu generieren? Die Expertenmeinungen hier-
über sind vielfältig.
In Fachartikeln kristallisieren sich immer wieder die sogenannten „4 F’s“ der Wissens-Partizipation heraus: Fame (Ruhm), Fortune (Reichtum), Fulfillment (Erfüllung) und Fun (Spaß).2)
Die ungebremste Attraktivität von Castingshows zeigt, dass Menschen Ruhm und Status in der Öffentlichkeit suchen. Führungskräfte motivieren die Mitarbeiter für das Teilen von Wissen neben monetären Anreizen gerade mit der Möglichkeit, sich im Unternehmen bekannt zu machen.
Finanzielle Anreize sind sehr wichtig und zeigen, dass die Mitarbeiter und deren Arbeit ernst genommen werden. Jedoch ziehen nur wenige Mitarbeiter ihre Motivation allein aus monetären Anreizen. Zu einem Großteil beruht die Bereitschaft, sein Wissen zu teilen auf der Möglichkeit zur persönlichen Erfüllung. Diese kann sich ausdrücken durch die Mithilfe bei einer zentralen Problemlösung, dem Kontakt zu interessanten Menschen im und außerhalb des Unternehmen oder dem Ausleben der Eigenheiten des Mitarbeiters. Der wichtigste Beweggrund ist und bleibt sicherlich der Spaß und die Freude am gemeinsamen, spielerischen Arbeiten im Team.
Neue Spielregel: Fehler sind gut, wenn man daraus lernt
Pinguine sind kluge Tiere. Bei möglichen Gefahren im Wasser springt zuerst ein einziger Pinguin in das kalte Wasser, während seine Artgenossen auf der Eisscholle geduldig warten, ob kein Feind im Wasser ist. Sobald klar ist, dass die Situation sicher ist, folgen alle anderen Tiere. So wird die Gemeinschaft geschützt und sich gegenseitig geholfen. Unternehmen können von Pinguinen lernen. In sich schnell wandelnden Zeiten werden viele Projekte gleichzeitig angegangen. Aus Fehlern in erfolglosen Projekten wird meist wenig gelernt, da diese gerne aus Angst vor Nachteilen von den Fehlerverursachern verheimlicht werden. Die Folgen sind fatal für die Organisation. Die gleichen Fehler wiederholen sich bei künftigen oder parallel laufenden Projekten immer wieder. Eine lernende Organisation ist nicht möglich. Unternehmen wie Google wollen diese Fehlerdynamik durchbrechen und haben vor einigen Jahren einen ungewöhnlichen Preis, den sogenannten Pinguin Award, ausgelobt.
Jeder Mitarbeiter kann ein Projekt vorstellen, welches so richtig gescheitert ist. Anstelle Kritik und Spott wird aus Fehlern gelernt und der Mut zur offenen Kommunikation von Fehlern prämiert. Eine Methode und Kultur, von welcher andere Unternehmen ebenfalls lernen können. Vorausgesetzt, mutige Führungskräfte gehen voran und schaffen eine positive Fehlerkultur. Eine angstfreie Umgebung, wo nicht nur nach Erfolgsfaktoren gesucht wird und erfolgreiche Projekte eine Bühne bekommen, sondern ganz bewusst Fehler offen kommuniziert, analysiert und zum Lernen genutzt werden. Getreu dem Motto; aus Fehlern kann man lernen!
Fazit: Bisherige Spielregeln in Frage stellen
Die neuen Spielregeln sind kein neuer Management-Trend, sondern sie zeigen stellvertretend die aktuell stattfindenden Machtverschiebungen und Veränderungen auf dem Weg zur Industrie 4.0, aber auch in der gesamten Arbeitswelt sowie in der Gesellschaft auf. Die neuen Spielregeln sollen anregen, sich selbst Gedanken über künftige Spielregeln in der Produktion und Fertigung zu machen und die bisherigen Spielregeln konsequent in Frage zu stellen.
Gute Ideen und Innovationen fallen nicht vom Himmel.
Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. (Albert Einstein)
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