Interview mit Alice Göpel, Göpel electronic in Jena

Auch nach Generationenwechsel weiter auf Erfolgskurs

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Im Mai 1991 gründete Holger Göpel mit ehemaligen Mitarbeitern der Abteilung Mess- und Prüftechnik des Kombinat Carl Zeiss Jena die Göpel electronic GmbH. Im Lauf der Zeit war dabei ein ständiges Wachstum zu verzeichnen. Heute besteht der Hauptsitz in Jena aus vier Firmengebäuden mit Niederlassungen in Großbritannien, USA, China und Indien für knapp 250 Mitarbeiter. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Test- und Inspektionssysteme für elektronische Bauelemente, bestückte Leiterplatten sowie Industrieelektronik und Kfz-elektronische Systeme. Seit August 2018 steht Holger Göpel zwar noch in beratender Funktion zur Seite, übergab aber die Geschäftsführung an seine Tochter Alice Göpel, die bereits seit 2008 als International Sales Managerin den weltweiten Vertrieb verantwortete. Ein Generationenwechsel der in 2017 mit der Amtsübergabe des Mitbegründers, langjährigen geschäftsführenden Gesellschafters und Leiter der Abteilung Automotive Test Solutions Manfred Schneider an seinen Sohn Jörg begann.

Die Redaktion der EPP sprach mit Alice Göpel, um mehr über die weiteren Strategien, Pläne und Herausforderungen des Unternehmens zu sprechen.

Frau Göpel, wo sehen Sie aktuell das Unternehmen? Was ist in der Zukunft geplant, wohin geht der Weg?

Wir bei Göpel electronic sind mit insgesamt vier Geschäftsbereichen breit aufgestellt. In allen Bereichen sind wir in den jeweiligen Märkten gut positioniert. Den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahre wollen wir beibehalten. Das geht natürlich nur, wenn wir immer im Auge behalten, in welche Richtung sich verschiedene Technologien entwickeln. Unser Ziel wird es sein, auch zukünftig in jedem Schritt der Elektronik-Entwicklung und Produktion vertreten zu sein, und zukünftige Technologien in jedem Abschnitt des Produktlebenszyklus zu begleiten.

Sie haben ja doch einige Mitbewerber im Markt.
In manchen Bereichen mehr in anderen
weniger. Wo sehen Sie Ihren Wettbewerb in den verschiedenen Bereichen?

„Wettbewerb belebt das Geschäft“, heißt es doch so schön. Das merken wir deutlich daran, dass Innovationen und neue Technologien stark vorangetrieben werden, wenn man viele Marktbegleiter hat. Am schwersten hat es dann der Kunde, da er sich unter vielen guten Lösungen zu entscheiden hat. Alle Anbieter sind bestrebt, die neuesten Technologien einzusetzen. Dem wollen wir natürlich in nichts nachstehen. Wir wollen dabei unsere eigenen Ideen verwirklichen, bei denen wir denken, dem Anwender das beste Produkt zu bieten.

Wie können Sie sich als mittelständischer deutscher Hersteller positionieren und gegebenenfalls welche Maßnahmen einleiten?

Neben einem lebendigen Wettbewerb erleben wir natürlich auch eine steigende Nachfrage nach Test- und Inspektionslösungen. Darauf mussten wir folglich reagieren und mit dem Bau eines vierten Firmengebäudes neue Produktionsflächen schaffen, insbesondere für Inspektionssysteme und Sitztester für die Automobilindustrie.

Unser Ansatz war es schon immer, unsere Kunden von Anfang an zu betreuen und zu beraten. Wir helfen dabei, optimale Teststrategien zu entwickeln und die passende Testlösung für die jeweiligen Anforderungen zu finden. Wir gehen dabei auch auf individuelle Kundenwünsche ein. Das betrifft nicht nur die Hardware unserer Systeme, sondern insbesondere auch Software und Schnittstellen. Wir bieten individuelle MES-Plug-Ins und Zugang zur Smart Factory, bspw. durch den Hermes-Standard, an dessen Entwicklung wir auch aktiv mitwirken. Tools wie unser Pilot Connect vereinen Daten aller möglichen Inspektionssysteme, auch von anderen Anbietern. Dies ist immer individuell auf die jeweiligen Anforderungen in den Elektronikfertigungen angepasst. Der Kunde hat davon deutliche Effizienzvorteile in seiner Produktion, bspw. durch eine zentrale Verifikation und detaillierte Fehlerdatenanalyse.

Außerdem lassen sich unsere Testlösungen prima in bestehende Teststrategien integrieren, zum Beispiel unsere Embedded JTAG Solutions in Flying Prober oder ICTs verschiedenster Hersteller.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Die gesamte Elektronik-Branche befindet sich in starkem Wachstum. Alles passiert im Kontext zunehmender Automatisierung. Neue Maschinen müssen sich in vernetzte Fabriken einfügen können und müssen fähig sein, miteinander zu sprechen. Jetzt ist es an der Zeit, nicht nur heiße Luft zu verbreiten und Marketing zu betreiben, sondern „smarte“ Fabriken auch umzusetzen. Das Konzept „Industrie 4.0“ funktioniert erst dann, wenn der Endanwender – also der Fertiger – davon auch etwas spürt. Weniger Pseudofehler, schnellere und sichere Verifikation und zeitsparende, automatisch erstellte Prüfprogramme sind ein paar Beispiele, wie eine Elektronikproduktion davon profitiert.

Aber auch andere Bereiche entwickeln sich rasant. Nehmen wir das ebenso prominente Thema Elektromobilität. Da die Automobilindustrie für uns schon seit jeher eine extrem wichtige Rolle spielte, wollen wir unser Engagement in diesem Bereich ausbauen. Wir sind bereits in vielen Projekten involviert: Steuergeräte-Vernetzung, Infotainment-Test oder Prüfsysteme für Stromversorgung im Hochvolt-Bereich sind ein paar Beispiele dafür. Dieser Sektor wächst enorm und bietet somit eine große Herausforderung und Chance.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Die Arbeit bereitet eine große Freude. Einerseits ist es natürlich die hohe Dynamik unserer Branche, die einfach unglaublich spannend ist. Andererseits ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen wunderbar. Wir haben viele junge Teams, die fit und sehr engagiert sind, und sich immer wieder neuen, herausfordernden Aufgaben stellen.

Wie war die electronica 2018 für Sie
und das Unternehmen?

Kurz gesagt: die electronica 2018 war für uns ein absoluter Erfolg. Es sind sich wohl alle Besucher und Aussteller einig, dass die Messe nie so groß und so gut besucht war. Im Vergleich zu 2016 hatten wir eine Steigerung der Besucherzahlen an unserem Stand um mehr als 20 %. Verglichen mit dem Wachstum anderer Messen ist das sensationell. Wir konnten viele neue Produkte und Lösungen präsentieren, die auf eine äußerst positive Resonanz stießen. Zu nennen ist hier beispielsweise Scanflex II Blade 4, unser neuer JTAG/Boundary Scan Controller für Test und Programmierung im industriellen Produktionseinsatz. Viele Besucher waren begeistert von unserer neuen Software-App am Röntgensystem X Line · 3D. Dieses Tool erstellt vorausschauend nutzungsbasierte Wartungspläne und ersetzt das alte Service-Heft mit Wartungsplan und Protokoll. Am größten war allerdings die Nachfrage nach unserem Stand-Alone 3D-AOI-System „Basic Line · 3D“. Das zeigt uns, dass es viele kleine und mittelständische Fertiger gibt, die sich ernsthaft mit dem Thema 3D-AOI beschäftigen und sich ein flexibles, kosteneffizientes System wünschen, welches noch dazu die aufwändige und manchmal unliebsame AOI-Prüfprogrammerstellung übernimmt.

Nachdem der Generationenwechsel bei Göpel vollzogen wurde, was wird sich im Vergleich zu vorher ändern (Intern sowie extern)?

Wir halten natürlich auch nach einem Generationenwechsel an den Grundsätzen und Philosophien fest, die unser Unternehmen auf den Erfolgskurs gebracht haben. Wir wollen langfristige Stabilität erreichen, Arbeitsplätze sichern und streben weiterhin ein organisches Wachstum an. Gleichermaßen werden wir aber auch neue Impulse einfließen lassen, die uns auch zukünftig auf erfolgreichem Kurs halten werden.

Frau Göpel, vielen Dank für Ihre Zeit.

SMTconnect, Stand 4A-222

www.goepel.com



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