Interview zum Vorstandswechsel bei Viscom mit Firmengründer Volker Pape Management bei Viscom neu aufgestellt - EPP

Interview zum Vorstandswechsel bei Viscom mit Firmengründer Volker Pape

Management bei Viscom neu aufgestellt

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Viscom ist ein Key Player bei 3D-Systemen für die automatische optische Inspektion und die Röntgenprüfung im Bereich der SMT – mit einem Schwerpunkt in der anspruchsvollen Automobilelektronik. In seiner jahrzehntelangen Funktion als Vorstand für Vertrieb, Marketing und internationales Geschäft trieb Volker Pape insbesondere die internationale Expansion voran. Nun, nach 34 Jahren Unternehmensleitung, scheidet der Firmengründer aus dem Vorstand aus und wechselt in den Aufsichtsrat der Viscom AG. Die Redaktion EPP nutzte das Technologie-Forum am 16. und 17. Mai 2018 in der Firmenzentrale in Hannover für ein Gespräch mit Volker Pape über seine Beweggründe.

Herr Pape, Sie haben 1984 das Unternehmen zusammen mit Dr. Martin Heuser gegründet. Können Sie unseren Lesern rückblickend die Milestones und Highlights dieser Zeit erläutern?

Viscom ist damals von uns beiden als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) für Industrielle Bildverarbeitung gegründet worden. Als frischgebackene Hochschulabsolventen waren wir natürlich ambitioniert, als Pioniere intelligente Bildverarbeitungs-Software zu entwickeln. Dass Viscom einmal zu den weltweiten Technologieführern im Bereich der Inspektionssysteme zählen wird, war uns damals noch nicht klar. Ich glaube, dass es auch nur deshalb so gut funktioniert hat, weil wir uns oft gestritten, aber immer einen guten Kompromiss gefunden haben und dann gemeinsam den eingeschlagenen Weg gegangen sind. Tatsächlich sind wir mit relativ geringen Mitteln gestartet und haben es trotzdem geschafft, große Projekte auf die Beine zu stellen. Unser erstes Highlight war der Weg in die Elektronikindustrie. Insofern markiert der Einstieg in die SMT-Branche, für die wir als Technologiescout nahezu von Beginn an schon Inspektionslösungen konzipiert haben, einen bedeutsamen Schritt in unserer Erfolgsgeschichte.

Der Startschuss war ein Besuch der Hannover Messe 1987, auf der wir mit einem kleinen Labormuster, damals noch Bauteile in Kleber für die Wellenlötung, vertreten waren. Was wir vorher nicht wussten: Auf dieser Hannover-Messe fand ein früher SMT-Kongress statt. Die ganz Großen der SMT-Branche sind damals an unserem ganz kleinen Aufbau vorbeigelaufen und haben uns gesagt, so etwas benötigen wir auch. Dies war die Initialzündung für uns, denn wir haben gleich die ersten Aufträge von Olivetti sowie Bosch in Salzgitter mit einer für uns bedeutenden Stückzahl von 15 Systemen verkauft. Die SMT-Branche ist schnell gewachsen, dann war das Prinzip des Wellenlötens passé und das Reflow-Löten stellte zu diesem Zeitpunkt noch ein neues Verfahren in der aufstrebenden Leiterplatten-Fertigung dar. Mit unserer Bildverarbeitungssoftware waren wir in der Lage, uns zum Lösungsanbieter für die zuverlässige Fehlererkennung in der Elektronikindustrie zu etablieren und haben uns so vom Anbieter für Bildverarbeitungslösungen zu einem wegweisenden SMT-Marktplayer mit über 415 Mitarbeitern entwickelt. Nach wie vor sind wir langjähriger Partner von führenden Automotive-Zulieferern.

Weitere wichtige Etappen waren der Umzug 1992 ins eigene neue Firmengebäude und der Aufbau unserer heutigen internationalen Präsenz mit Tochterunternehmen in den USA und in Asien, die kürzlich auch ihr zwanzig- und zehnjähriges Jubiläum gefeiert haben.

Der Börsengang 2006 hat unsere Struktur für die Zukunft stabilisiert und uns zum notwendigen Kapital verholfen, um die Hard- und Software für unsere Systeme serienmäßig inhouse mit eigenen Ingenieuren zu entwickeln, zu produzieren und weltweit zu vertreiben. Wir haben alle Vorteile eines börsennotierten Unternehmens, jedoch halten die Gründer nach wie vor die Mehrheitsanteile.

Auch Viscom ist durch Höhen und Tiefen gegangen speziell in Zeiten, als es dem Elektronikmarkt sehr schlecht ging. Wie ist man im Unternehmen damit umgegangen, gab es einschneidende Folgen?

Natürlich hat es auch uns getroffen, speziell die globale Finanz- und Eurokrise um 2007 bis 2009, die sehr kurzfristig vor uns stand und die wir meistern mussten. Die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise hat zum Einbruch im Elektronikmarkt geführt und Viscom heftig tangiert. Hier zeigte sich unsere zuvor getroffene Entscheidung, an die Börse zu gehen, als ein großes Glück für uns. Mit ausreichend Cash als Puffer und regulierenden Maßnahmen wie Kurzarbeit konnten wir der Krise entgegenwirken. Wir haben eine personalverträgliche Lösung gefunden, und Mitarbeiter, die diese Phase mit uns gemeinsam durchlaufen haben, stehen Viscom heute doppelt so loyal gegenüber. Krisen schweißen eben auch zusammen. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass wir unsere Prozesse deutlich effizienter gestalten mussten. Darüber hinaus haben wir uns auf den SMT-Bereich konzentriert und weniger ertragsreiche Bereiche wie die Halbleiter- und Photovoltaik-Inspektion abgestoßen.

Wo sehen Sie die Werte und Stärken von Viscom?

Eine wesentliche Stärke und auch Fundament sind die Viscom-Mitarbeiter. Ganz wichtig für uns ist der Umgang auf der menschlichen Ebene, damit Engagement, Kreativität und die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten eines jeden Einzelnen auch Raum erhalten. Wir haben hier ein gutes Betriebsklima, man ist kooperativ und freundlich im Umgang miteinander auf einer Ebene, die inhaltlich auf Kompetenz basiert. Sowohl in der internen als auch externen Zusammenarbeit pflegen wir ein respektvolles, wertschätzendes und partnerschaftliches Miteinander. Für unsere Mitarbeiter, sind wir eine sichere Bank, sodass auch unsere Fluktuationsrate entsprechend niedrig ist. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von neuen Projekten ist das Prinzip der Nachhaltigkeit, Integration und Kooperation, dem wir uns bei Viscom verpflichten und tagtäglich folgen.

Auf dem Markt ist es die Bandbreite unserer Produkte, die Viscom auszeichnet. Wir bieten ein einzigartiges Spektrum an Inspektionslösungen auf höchstem Niveau im SMT-Markt und sind darüber hinaus in der Lage, sehr schnell und mit internen Mitteln kundenspezifische Lösungen zu erarbeiten. Darüber hinaus haben wir unseren eigenen technologischen Anspruch, sprich, das was wir machen, wollen wir exzellent machen. Ich sehe unsere Stärke definitiv in unserer technologiegetriebenen Entwicklung. Das ist unsere Kernkompetenz und der Schlüssel zum Erfolg. Insofern fällt uns die Entwicklung von Softwarelösungen leichter als anderen, die wir dann perfekt mit unserer Hardware-Konstruktion und Prüftechnik verbinden. Zum Beispiel haben wir rund um unsere Röntgentechnologie ein Expertenteam gebildet, um für unsere Branche zukunftsfähige Lösungen mit noch mehr Erkenntnisgewinn in der Fehlererkennung und Qualitätskontrolle zu realisieren. Und das geht nur mit unbändigem Lösungswillen, einem hohen Maß an Engagement und kreativen Köpfen. Daher sind wir auf unser Combo-System, die X7056-II, die 3-AOI und 3-AXI in nur einem System vereint, besonders stolz. Entworfen für den Inlinebetrieb mit herausragender Bildqualität steckt hier sehr viel von unserem Know-how und die Erfahrung der letzten Jahrzehnte drin. Erstmalig haben wir ein System kreiert, das die Röntgenprüfung nicht länger zum Flaschenhals in der Fertigungslinie macht. Die Handlingzeit beträgt weniger als vier Sekunden. Das reduziert die Dauer der gesamten Durchlaufzeit erheblich und verschafft der automatischen optischen Inspektion und zusätzlichen Röntgenprüfung viele Möglichkeiten.

Was tun Sie gegen den Fachkräftemangel?

Viscom setzt sich gezielt für die Nachwuchsförderung ein, über intensives Zusammenarbeiten und entsprechende Kooperationsprogramme. Wir unterstützen Schulprojekte für die ganz Kleinen, bieten einen Zukunftstag für Schülerinnen und Schüler an und engagieren uns in Forschungs- und Entwicklungsprojekten von Hochschulen und Universitäten. Unserem eigenen Bedarf an Fachkräften, Entwicklern und Ingenieuren begegnen wir mit eigenen Ausbildungsangeboten und bieten Studentinnen und Studenten Praktika, Abschlussarbeiten und Werkstudentenplätze an. Entscheidend sind aber vielmehr unsere Arbeitgeberattraktivität und die Mitarbeiterzufriedenheit. Wir können einen Großteil der offenen Stellen, die wir aufgrund unseres anhaltenden Wachstums neu schaffen, durch Weiterentwicklung und Förderung der eigenen Mitarbeiter besetzen und greifen auf zahlreiche Empfehlungen zurück, die wir aus unseren Netzwerken erhalten.

Welchen USP können Sie Ihren Kunden bieten?

Für unsere Kunden ist neben unserem hohen Qualitätsversprechen auch ausschlaggebend, dass Viscom die gesamte Bandbreite an 3D-Inspektionstechnik anbietet – von der SPI über AOI bis hin zu AXI- und MXI-Lösungen – und das auf einem technisch sehr hohen Niveau. Durch die Kombination modernster Bildverarbeitungstechnologien mit vielfältigen softwarebasierten Lösungen für die Integration in Industrie-4.0-Umgebungen und -Standards unterstützen wir unsere Kunden maßgeblich dabei, ihre Prozesseffizienz nachhaltig zu verbessern. Damit einher geht unser Angebot für kostenlose Software-Releases über den gesamten Lebenszyklus unserer Systeme, für die wir umfangreiche Serviceleistungen wie Instandhaltung, Umbau und Modernisierung mit eigener Servicemannschaft anbieten. Viele Vorteile bietet beispielsweise unsere Bediensoftware vVision: Noch nie war die Prüfplanerstellung, Systembedienung und Verifikation für unsere Kunden so übersichtlich, anwenderfreundlich und vor allem schnell gestaltet. Eine unserer wesentlichen Stärken, die immer wieder nachgefragt wird und auch schon Impulsgeber für Innovationen war, ist die schon erwähnte Entwicklung kundenindividueller Sonderlösungen.

Sie sind als Vorstandsmitglied mit Ablauf des
15. Mai 2018 ausgeschieden. Was war Ihre Motivation zu dieser Entscheidung und welche Rolle werden Sie künftig im Unternehmen spielen?

Ich bin seit 34 Jahren Unternehmer und Geschäftsführer bzw. Vorstand und möchte nach dieser langen Gesamtverantwortung etwas kürzertreten und mich unter anderem auch meiner Leidenschaft – der Musik – in meinem Musikstudio auf unserem Firmengelände widmen. Als Firmengründer verfüge ich über die Affinität, sehr langfristig und strategisch zu planen, was natürlich meiner neuen Rolle im Aufsichtsrat zu Gute kommt. Dieser Kompetenz und meinem Bestreben, die Weiterentwicklung von Viscom aktiv mitzugestalten, werde ich in meiner neuen Funktion als strategischer Berater des Unternehmens gerecht. Insofern bin ich immer noch sehr nah an Viscom und werde die Messen sowie die internationale Präsenz noch einige Zeit mitbegleiten.

Könnten Sie unseren Lesern etwas mehr über
die neuen Vorstände Peter Krippner und Carsten Salewski sagen? Warum fiel die Wahl genau auf
die beiden?

Mit dem Ziel maximaler Kontinuität sind beide langjährige Manager, die seinerzeit schon während ihres Diplomstudiums der Elektrotechnik für Viscom tätig waren und eine entsprechende Führungslaufbahn bei uns absolviert haben. Peter Krippner war einer unserer ersten Software-Entwickler und verantwortete in den letzten Jahren unsere wichtigste operative Einheit zur automatischen Inspektion von Leiterplatten – die Pastendruck-, Bestück- und Lötstelleninspektion. 2001 haben wir ihn an die Spitze des Geschäftsbereiches Serienprodukte berufen, die er dann 17 Jahre lang sehr erfolgreich leitete. Als neues Vorstandsmitglied ist er prädestiniert für die operative Führung aller Geschäftsbereiche im Rahmen der Viscom-Philosophie.

In direkter Nachfolge als Vorstandsmitglied Vertrieb, Marketing und internationales Geschäft tritt Carsten Salewski in meine Fußstapfen. Als ehemaliger Softwareentwickler und Projektingenieur war er ganz nah an der Technik und an den Kunden. Er hat bei uns den Geschäftsbereich IBV als Bereichsleiter aufgebaut. In den letzten 14 Jahren hat Carsten Salewski erfolgreich unser Tochterunternehmen in den USA mit den dazugehörigen Geschäftsstellen im Silicon Valley in Kalifornien und in Mexiko mit Verantwortung für den gesamten amerikanischen Doppelkontinent geführt. Er ist Chairman des IPC SMEMA Councils in der IPC, einem großen amerikanischen Verband der Elektronikindustrie, und seit 2015 auch im Vorstand der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in Atlanta ehrenamtlich tätig.

Was wird sich für die Kunden ändern?

Aufgrund unserer vorausschauenden Nachfolgeplanung, die einen fließenden Übergang mit intern aufgebauten Führungskräften ermöglicht, wird sich für unsere Kunden wenig ändern. Sowohl Peter Krippner als auch Carsten Salewski haben in ihrer langjährigen Managementfunktion an den strategischen Entscheidungen mitgewirkt und werden unseren eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgen. Darüber hinaus sind beide feste Größen im Markt mit einem sehr guten und breiten Netzwerk zu allen Marktbeteiligten und vor allem innerhalb von Viscom und zu unseren Kunden.

Noch eine letzte Frage, wo sehen Sie sich und das Unternehmen in der näheren Zukunft?

Ich habe ganz bewusst eine Zeit gewählt, in der das Unternehmen nicht nur gut läuft, sondern auch perspektivisch gut aufgestellt ist, und darf als Beobachter auf eine weiterhin positive Unternehmensentwicklung schauen, in der wir unsere Top-3-Position im Nischenmarkt der SMT-Inspektion weiter international ausbauen und neue Geschäftsfelder erschließen. Ich denke, wir sind langfristig als Unternehmen, das mit großer technologischer Bandbreite agil agiert, sehr gut aufgestellt. Unseren beiden neuen Vorstandsmitgliedern Peter Krippner und Carsten Salewski wünsche ich viel Erfolg in ihrer neuen Funktion.

Herr Pape, vielen Dank für Ihre Zeit und
alles Gute für die Zukunft.

www.viscom.com



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