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Wissen und Erfahrung im Unternehmen halten

Geschäftsführerwechsel bei Fuji Europe Corporation GmbH: Gespräch mit Stefan Janssen und Klaus Gross
Wissen und Erfahrung im Unternehmen halten

Nach mehr als 30 Jahren bei Fuji, davon 10 Jahre als Geschäftsführer, übergibt Klaus Gross am 1. April 2022 seine Position an Stefan Janssen. Die Redaktion der EPP, Doris Jetter, besuchte das Management-Team in Kelsterbach, um im Gespräch mehr darüber zu erfahren, was der Geschäftsführerwechsel mit sich bringt – wird es Veränderungen geben und wenn ja, inwiefern?

EPP: Herr Janssen, seit wann sind Sie bei Fuji, vielleicht auch noch ein paar Worte zu Ihrem Werdegang…

Stefan Janssen: Mein Start bei Fuji war im Mai 1993. Ich war zuvor bei einem Agenten von Fuji, komme also aus der Technik und machte meine Ausbildung in der Konstruktion von großen Elektroschaltanlagen. Ich erkannte direkt, dass ich in die SMT-Technik gehen will und fand mich recht schnell bei Fuji wieder. Übrigens kurz nach Klaus Gross, den ich bereits im Vorfeld als Kunden meines damaligen Arbeitsgebers kennenlernen durfte. Ich habe dann viele Jahre in der Technik gearbeitet und bin dann 2001 ins Management gewechselt. Seit dieser Zeit habe ich die Position des Stellvertretenden Geschäftsführers und werde nun zum 1. April die Nachfolge von Herrn Klaus Gross antreten.

EPP: Wie haben Sie sich auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet?

Stefan Janssen: Den Bereich, den ich künftig übernehme, ist nicht neu für mich. Ich begleite Klaus Gross schon über 10 Jahre in seiner Funktion und erwarte von daher keine großen Überraschungen im Aufgabenbereich. Natürlich ist die Verantwortung eine komplett andere, bin aber der Meinung, dass ich bestens auf die kommende Zeit vorbereitet bin, zumal Klaus Gross eine tolle Übergabe gemacht hat. Ich bin bereits in sämtliche Geschäftsvorgänge involviert und ich nehme diese sehr ernst.

EPP: Gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Herrn Gross, werden Sie ihn vermissen?

Stefan Janssen: Die Zusammenarbeit zwischen uns war nicht nur lang, sondern auch sehr gut und ging Hand in Hand. Sicherlich hatten wir auch mal eine unterschiedliche Meinung, doch konnten wir darüber diskutieren und damit konstruktiv umgehen. Natürlich werde ich Klaus Gross vermissen, das ist nicht vom Tisch zu weisen.

EPP: Wird es Veränderungen geben? Was haben Mitarbeiter und Kunden zu erwarten?

Stefan Janssen: Es wird tatsächlich im Bereich Personal einige Veränderungen geben, denn meine jetzige Position sollte ja wieder besetzt werden und das Karussell dreht sich weiter. Meine Nachfolge tritt Herr Jonas Ernst an, der ja auch bereits nahezu 10 Jahre im Unternehmen ist. Zusätzlich haben wir eine Assistentin der Geschäftsleitung eingestellt. Sie wird einen großen Teil meiner vorherigen Aufgaben übernehmen und Herrn Ernst und mich tatkräftig unterstützen. Jonas Ernst wird zudem den großen Teil seiner jetzigen Aufgaben in die neue Position mitnehmen. Natürlich ist das für jeden von uns sehr viel Arbeit, doch wir sind zusätzlich auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.

EPP: Und speziell für die Kunden?

Stefan Janssen: Für die Kunden wird es keine merklichen Veränderungen geben. Es ist stark davon abhängig, wie gut man vorbereitet und aufgestellt ist. Ich denke, wir sind bestens aufgestellt, insofern wird sich weder bei den Ansprechpartnern für die Kunden noch bei den Verantwortlichkeiten viel ändern.

EPP: Was erwarten Sie für die nahe Zukunft?

Stefan Janssen: Ich erwarte ein gutes Jahr. Wir bilanzieren vom 1.4. zum 31.3., daher auch der Geschäftsführerwechsel zum 1. April. Wir können jetzt schon abschätzen, dass das 1. Quartal mit Blick auf die Umsatzzahlen gut aussehen wird. Ich persönlich erwarte eine Steigerung in der Elektronikbranche, was viel damit zu tun hat, dass mehr und mehr Elektronik in allen Bereichen verbaut wird.

EPP: Wie werden sich die Anforderungen der Kunden an die Elektronik verändern, wie hat sich der Markt verändert?

Stefan Janssen: Die Anforderungen der Kunden werden bzw. haben sich bereits während der Pandemiezeit verändert. Die Kunden haben gelernt, dass sie vom asiatischen Markt abhängig sind, speziell in Bezug auf Halbleiter. Das ist ziemlich in den Vordergrund getreten und in vielen Bereichen erkennbar. Das hängt stark mit der Materialbeschaffung zusammen, mit den Engpässen bei Halbleitern, und da erwarte ich eine Änderung im Markt und hoffe, dass sich dies bei uns positiv in Zahlen ausdrückt.

EPP: Herr Janssen, haben Sie einen Angstgegner?

Stefan Janssen: Angstgegner habe ich keine, wir haben höchstens Marktbegleiter. Unser Ziel ist klar definiert: wir wollen einen gewissen prozentualen Marktanteil haben. In Zahlen ausgedrückt streben wir weltweit 30 % an, was recht ambitioniert ist. Wir als Fuji Europe können hier nur für die DACH-Länder sowie Osteuropa sprechen. Alles was gen Osten geht, ist ein herausforderndes Ziel wo wir bezüglich Neukundenakquise und -gewinnung mittlerweile auch auf einem guten Weg sind. Dennoch befinden wir uns in einem Verdrängungsmarkt, was wiederum bedeutet, dass es in Europa nicht mehr allzu viele Neukunden gibt, die mal so einfach ein Werk auf die grüne Wiese setzen. Doch wir haben ein gutes Produktportfolio, womit wir uns nicht verstecken müssen, wo wir Alleinstellungsmerkmale haben und bei Kunden punkten können.

EPP: Was von Ihrer alten Position können Sie in die neue mitnehmen und von welchen Erfahrungen profitieren?

Stefan Janssen: Grundsätzlich kann ich alles, was ich bisher gemacht habe, in meine neue Position mitnehmen. Angefangen bei den Erfahrungen mit Kunden, Know-how bei den Prozessen und Maschinen bis innerbetriebliche Abwicklungen. Selbstverständlich muss ich auch neue Dinge lernen, die speziell die künftige Position verlangen.

EPP: Welche persönliche Veränderung ist dieser Wechsel für Sie?

Stefan Janssen: Ich habe noch kein Feldbett aufgestellt, aber dennoch muss man es auch nicht beschönigen. Die Position verlangt viel ab und es ist kein Acht-Stunden-Tag, denn dies würde nicht funktionieren. Man wird gefordert, ist ständiger Ansprechpartner, wird für alles ins Boot genommen und ist verantwortlich. Klar kann ich einiges delegieren, die Herausforderung bleibt! Nachdem unsere Organisation nicht so groß ist, um alle Bereiche komplett abdecken zu können, haben viele Mitarbeiter Doppelfunktionen innerhalb ihrer Position.

EPP: Was motiviert Sie, sich auf diesen neuen Weg zu begeben?

Stefan Janssen: Da könnte ich Ihnen einige Motivationen nennen. Zuerst möchte ich die Herausforderung annehmen um die Firma weiter voranzubringen. Das ist ein ganz persönliches Ziel von mir. Ich möchte sehen, wie sich alles weiterentwickelt, die Mitarbeiter weiter nach vorn kommen, die Firma nicht nur in den Umsatzzahlen, sondern auch in der Mitarbeiteranzahl weiterwächst und dass die Organisation passt. Wir als Vertriebsgesellschaft haben unseren Fokus auf Neukundengewinnung und wachsendem Umsatz. Eine weitere Motivation sehe ich im weiter verbesserten Brückenschlag zwischen den doch sehr unterschiedlichen Kulturen. Die japanische Kultur unterscheidet sich ziemlich von unserer, fordert jedem Job sehr viel ab und will keinen Stillstand, sondern nur Weiterentwicklung.

EPP: Ein letztes Statement…

Stefan Janssen: …ich bin Klaus Gross erstmal dankbar für das, was er alles mit Erfolg gemacht hat und wünsche ihm für die Zukunft viel Ruhe und Zeit. Er ist stets willkommen hier.

EPP: Nun zu Ihnen Herr Gross, wo sehen Sie Ihre größten Herausforderungen rückblickend auf die letzten 30 Jahre?

Klaus Gross: Ihre Frage bezüglich der Herausforderungen in der Vergangenheit bei Fuji ist schwierig zu beantworten, denn diese wurden ja alle bereits gelöst. Doch was mir im Kopf geblieben ist, sind die drei Krisen, die wir hatten. Von 2001 bis 2003 war die schwierigste Zeit, da diese Krise über 3 Jahre und am längsten ging. Dann die zweite in 2009/2010, die ja nur ein Jahr ging. Und, im Grunde sind wir jetzt immer noch in der 3. Krise, was die Pandemie und Bauteilknappheit anbelangen. Diese drei Krisen haben mich geprägt. Weiterhin geprägt hat mich das tolle Wachstum des Unternehmens. Als Vertriebsingenieur angefangen habe ich ja mit dazu beigetragen und Umsatz, Umsatz und nochmals Umsatz gemacht, Neukunden gewonnen…

EPP: …und wahrscheinlich auch Kunden verloren…

Klaus Gross: Ja, wir haben Kunden verloren, jedoch lediglich wegen Schließung der Fabriken, die nach China bzw. Asien abgewandert sind. Für mich war die Triebfeder stets eine hohe Kundenzufriedenheit, was natürlich auch daher stammen könnte, dass ich früher selbst auf der Kundenseite stand. Es gibt nichts besseres als Kundenzufriedenheit, da kommen die Aufträge fast automatisch. Für mich war und ist stets der Kunde im Vordergrund. In Verbindung mit Ehrlichkeit hat sich dies nachhaltig bewährt.

EPP: Wie sind Sie mit allem (Japanisches Unternehmen, andere Kultur) zurechtgekommen?

Klaus Gross: Die letzten 10 Jahre als erster Geschäftsführer eines japanischen Unternehmens waren sehr spannend. Wir waren erfolgreich und konnten Umsatz und Personal verdoppeln, zumindest bis 2019. Der Umzug in das neue Gebäude gehört auch zu einem meiner Highlights. Während der Bauphase hatte ich dazu noch tolle Unterstützung durch Stefan Janssen.

Bezüglich der Japanischen Kultur war es anfangs schwierig, da sich diese von unserer komplett unterscheidet. Ich war zudem durch meinen Job davor eher amerikanisch geprägt. Insofern musste ich mich da erstmal einfinden. Ich habe viel von den Japanern übernommen und meinen Blick stets nach vorn gerichtet. Im Nachhinein muss ich sagen: Hat man sich die Arbeitsweise der Japaner verinnerlicht, ist diese sehr vorteilhaft. Da gibt es keine Overcommitments und die Zusagen sind stets verlässlich, egal ob Inhalt oder Terminierung. Die ersten 5 Jahre, bis ich die Kultur richtig verstanden hatte, waren sehr lehrreich. Mittlerweile hat sich das japanische Management etwas geöffnet und ist westlicher geworden. Hat ein Japaner Vertrauen gefasst, verschwinden sowohl Druck als auch Kontrolle. Ab diesem Moment habe ich mich gesettelt, sehr wohl gefühlt und wusste: das ist die Firma, da bleib ich und werde alt. Und jetzt steh ich da und bin alt!

EPP: Gibt bzw. gab es Situationen, an denen Sie sich lieber nicht mehr erinnern möchten?

Klaus Gross: Dazu gehören auf jeden Fall die Krisen. Da gab es kein Wachstum, ganz im Gegenteil: wir mussten in der ersten Krise stark Personal abbauen und fast 50 Prozent entlassen. 2009 haben wir dann mit kompletter Mannschaft überstanden, wie übrigens während der Pandemie jetzt auch. Wir mussten lediglich teilweise Kurzarbeit in Kauf nehmen, hatten im zweiten Jahr der Pandemie dann bereits wieder Wachstum.

EPP: Und Ihr größtes Erfolgserlebnis?

Klaus Gross: Das war das Wachstum von Anfang bis zum Ende. Angefangen mit 7 bis 8 Mitarbeitern vor 30 Jahren haben sich Stand heute der Umsatz und Personal mindestens verzehnfacht. Das ist toll, da ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Dabei habe ich die letzten 10 Jahre nur noch lenkend eingegriffen. Die Ehrlichkeit und Offenheit habe ich meinen Mitarbeitern vorgelebt und mitgegeben. Zudem war mir wichtig, Marktbegleiter stets sportlich zu sehen und nie schlecht über sie zu reden. Unser Fokus liegt auf unseren Maschinen und Technologien.

EPP: Woher wussten Sie, dass Stefan Janssen als Ihr Nachfolger der richtige sein wird?

Klaus Gross: Stefan Janssen ist der richtige, da ich ihn selbst vorgeschlagen habe. Trotz neuer Dekade sowie frischen Wind wird die Windrichtung dieselbe bleiben. Zudem bin ich überzeugt, dass die Erfahrung, die Stefan Janssen aus so vielen unterschiedlichen Bereichen mitbringt, die beste Voraussetzung sein wird. Zudem wäre der Mutterkonzern niemals bereit gewesen, eine solche Position von außen zu besetzen, daher wurde mein Vorschlag angenommen.

EPP: Wichtigster Tipp, den Sie Ihrem Nachfolger auf den Weg geben möchten…

Klaus Gross: Für eine Vertriebsgesellschaft ist Neukundengewinnung und Wachstum wichtig, zudem sollte der interne Team Spirit weiter gefördert und ausgebaut werden. Ansonst: Ruhe und Nerven bewahren, auch in kritischen Situationen!

EPP: Was sind Ihre künftigen Pläne, wie gestalten Sie Ihren verdienten Ruhestand?

Klaus Gross: Ich habe große Pläne und beginne mit dem Unruhestand. Fängt damit an, dass ich ein Haus in Bayern, in der Nähe von Regensburg, gekauft habe, um hier meinen neuen Lebensabschnitt zu verbringen. Was den Unruhezustand weiter fördert ist mein neues, bereits angemeldetes Gewerbe. Ich geh nochmals einen komplett neuen Weg, raus aus der Technik und werde ein Tourismusgewerbe in Form einer kleinen Pension mit Ferienwohnung und Doppelzimmer betreiben. Jeder der da mal Urlaub machen möchte, ist in unserem Lerchennest in der Lerchenstrasse in Bad Abbach herzlich willkommen. Website, Prospekte, Airbnb…das alles wird noch folgen. Zudem kombinieren wir das Ganze mit einer E-Bike Vermietung. Daneben gibt es einige Hobbies, die ich in den letzten 30 Jahre stets hinter Fuji und meinem Job angestellt habe. Also ob mit oder ohne Pension wird es mir nicht langweilig.

EPP: Gibt es Wünsche, Träume, die Sie sich jetzt erfüllen werden?

Klaus Gross: In der Zukunft ist für mich vor allem Gesundheit wichtig, sonst kann ich alles, was ich erzählt habe, nicht durchführen. Lebensfreude, Zufriedenheit und eine glückliche Zeit mit meiner Frau, darauf freue ich mich.

EPP: Und noch abschließend, ihr Resümee nach 30 Jahren Fuji?

Klaus Gross: Zwei Dinge: Ich habe alles richtig gemacht und um den Bogen über 30 Jahre zu spannen, ich würde alles wieder so machen. Ich wünsche meinem Nachfolger Stefan Janssen alles Gute, viel Erfolg und an erster Stelle ebenfalls Gesundheit, um alle schwierigen Herausforderungen zu meistern. Ich habe vollstes Vertrauen, dass er das schaffen wird. Zudem bedanke ich mich bei allen Mitarbeitern, die das Schiff der Fuji Europe geschaukelt haben. Denn jeder einzelne und nur so, wie wir zusammengearbeitet haben, konnten wir den Erfolg erreichen. Mein großes Danke schön an die gesamte Mannschaft. Was die Verabschiedung angeht, finde ich es sehr bedauerlich, dass ich mich wegen der Pandemie nicht persönlich von allen Kollegen aus der Fuji-Welt verabschieden kann. So bleibt mir leider nur die Verabschiedung über Teams.

EPP: Ich bedanke mich für Ihre Zeit. Herr Janssen, Ihnen viel Erfolg für Ihre künftigen Aufgaben. Ihnen Herr Gross wünschen wir viel Glück, Gesundheit, Ruhe und Entspannung für den neuen Lebensabschnitt, auf dass Sie Ihre bis dato versäumten Lebensziele nachholen und sich daran erfreuen können.

SMTconnect, Stand 5.430

www.fuji-euro.de

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