Wo lauern Stolpersteine, was sind die Chancen? Die Elektronikfertigung auf dem Weg in die smarte Fabrik – Teil 2 - EPP

Wo lauern Stolpersteine, was sind die Chancen?

Die Elektronikfertigung auf dem Weg in die smarte Fabrik – Teil 2

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Der 2. Teil des Roundtables „Wo lauern Stolpersteine, was sind die Chancen?“ diskutierte über die Frage, wie sich der Mitarbeiter auf dem Wege zur Industrie 4.0 dabei einbinden lässt. Foto: Doris Jetter
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Der Roundtable während des Highlight-Tages zum Themengebiet „Industrie 4.0 – Smart Factory“ diskutierte Wege zur hoch produktiven, wertstromorientierten sowie transparenten Fabrik der Zukunft. Teil 2 diskutiert die Frage: Wie lässt sich der Mitarbeiter dabei einbinden?

Markus Strehlitz: Auch der Mensch spielt in der Produktion doch nach wie vor eine große Rolle. Was kommt auf die Menschen zu durch das Thema Industrie 4.0? Und wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter auf diese Entwicklung vorbereiten?

Stephan Baur: Was man in Zukunft schon viel mehr brauchen wird, sind Business-Leute, die was von der IT verstehen, oder IT-Leute, die was vom Business verstehen. Und diese Leute gibt es noch gar nicht so richtig?

Petra Foith-Förster: Das sind sicherlich neue Ausbildungszweige, die damit auch entstehen. Da sind ja die Regierungen, die IHK und weitere mit aktiv. Ich glaube aber, es ist noch ein anderer Aspekt. Es geht nicht nur darum, dass wir irgendwie mehr IT-Fähigkeit mitbringen werden müssen. Vielleicht wird es auch notwendig, dass jeder von uns statistisches Grundwissen hat, das genauso wichtig wie Lesen und Schreiben ist, weil all diese intelligenten Algorithmen im Grunde auf Statistik basieren. Ohne Verständnis von Statistik bleibt das ein ominöser Algorithmus, vor dem ich bestimmt Angst haben muss. Das sind so Grundvoraussetzungen. Aber auf der anderen Seite bietet Industrie 4.0 dem Werker ja ganz viel Möglichkeit, auch ohne diese Kenntnisse einzugreifen und die Maschinen anzupassen. Es gibt bereits viele Beispiel-Systeme, wie der Werker für sich selbst sein System konfigurieren kann, da über eine Wenn-dann-Regelung und eine schöne Benutzerschnittstelle die Möglichkeit geschaffen wird. Und da denke ich, das ist ja was, wovon der Mensch sehr stark profitiert, der bisher in der Fertigung stand, sich über seinen Arbeitsplatz geärgert hat und an dem nichts ändern konnte. Und allen Lean-Initiativen zum Trotz wissen wir alle: Wenn wir durch die Produktionen laufen, da sind immer noch sehr viele Bereiche, wo eine Änderung notwendig wäre. Da bin ich doch als Mitarbeiter froh, wenn ich dann die Möglichkeit habe, direkt einzugreifen.

Friedrich W. Nolting: Ich kann es nur voll unterstützen. Da gibt es einen amerikanischen Begriff, das M-Powerment, mit dem man die Mitarbeiter jetzt wirklich auch von ihrer Beteiligung am Unternehmenserfolg auf eine Stufe setzen möchte. Wo man sie mit diesen digitalen Medien auch insofern in den Arbeitsprozess einbindet, dass ich die Mitarbeiter zusammen mit dem Team in die Lage versetze, das wirklich mit dieser Lösung auch selbst tun zu können. Ich komme also nicht von außen, von oben oder womöglich aus der Nachbarabteilung, aus der IT-Abteilung mit einer Lösung, die nicht genau dem und auch nicht dem dynamischen Erwartungshorizont entspricht, den ich heute in einer Produktion, in einer modernen Produktion abbilden muss. Das ist ja eigentlich das Thema.

Markus Strehlitz: Aber bin ich da nicht sogar vor einem fast unlösbaren Problem? Denn im Vergleich zur technischen Entwicklung geht ja die Entwicklung in der Bildung im Schneckentempo voran.

Friedrich W. Nolting: Aber ich sprach jetzt nicht davon, dass Sie mit dem System die Mitarbeiter vorbereiten, sondern Sie geben ihnen ein Werkzeug an die Hand. Die Mitarbeiter von morgen wollen einen Monitor vor sich haben. Die wollen Informationsaustausch über ein Display haben oder mit Augmented Reality, also mit einer Brille und eingeblendeten Anweisungen durch die Fertigung laufen. Das ist ja die Herausforderung. Und wie das in den einzelnen Schritten in den nächsten fünf Jahren umgesetzt wird, da müssen wir im Grunde genommen jetzt die Werkzeuge dafür anbieten oder anfangen diese anzubieten, damit sich das dann weiterentwickeln kann.

Petra Foith-Förster: Ich sehe das Kompetenzproblem gar nicht so sehr unten auf dem Shopfloor, weil es da dann Systeme geben wird, mit denen die Leute, die dort unten arbeiten, umgehen können. Das Kompetenzproblem liegt eher darin, wie erschaffe ich diese Systeme, die es den Leuten möglich machen. Wenn ich jetzt plötzlich ein interaktives Dashboard haben will, auf dem Tablet – das ist dann keine Digitalisierung, sondern nur eine Tabletisierung. Aber letzten Endes brauche ich Leute, die das schaffen. Ich glaube, dass die Kompetenz eher irgendwo im dem Bereich Software-Ingenieurwesen liegt oder den klassischen Maschinenbauer an die Software heranzuführen. Und da haben wir natürlich einen Fachkräftemangel.

Markus Strehlitz: Was kann ich den Unternehmen jetzt so als Tipp mitgeben, wie sie ihre Mitarbeiter auf diesen Wandel vorbereiten?

Petra Foith-Förster: Wir sagen vom Fraunhofer-Institut aus immer: Bevor ich jetzt als Mittelständler anfange, Kompetenzen aufzubauen in einem Bereich, wo ich noch gar nicht weiß, welche Kompetenzen ich eigentlich brauche, macht es tatsächlich Sinn, sich einen Partner zu suchen, der die Kompetenzen hat. Es gibt in Deutschland, abseits vom Fraunhofer-Institut, ganz starke anwendungsorientierte Forschungsinstitute an den Universitäten. Aber auch an den Einzel-Universitäten, an den Hochschulen gibt es ganz viele junge Leute, die gut ausgebildet sind. Startet strategische Partnerschaften! Geht die ersten Pilotprojekte der Industrie 4.0 zusammen mit einem Forschungspartner an, der die Leute hat. Lernt bei der Gelegenheit kennen, welche Kompetenzen ihr eigentlich braucht und entscheidet nach drei bis fünf Jahren strategischer Partnerschaft: a) War es das Richtige, habe ich mein Geld überhaupt für die richtige Entwicklung ausgegeben? b) Möchte ich in dem Bereich Leute aufbauen oder weiterhin strategische Zusammenarbeit. Und wenn ich mir Leute aufbauen will, dann habe ich bei der Gelegenheit vielleicht schon den einen oder anderen guten Ingenieur kennengelernt, der in einem Forschungsinstitut und an der Uni war – und nach drei bis fünf Jahren dann auch in die Industrie wechselt. Also jetzt bloß nicht blind Leute einstellen, ohne dass ich weiß, welche Kompetenz ich benötige.

Florian Ritter: Ich glaube auch, Partnerschaften sind eigentlich das Key-Element in der Zukunft. Man kann nicht mehr alles alleine machen. Es gibt so viele Themen, die es abzuarbeiten gilt in der Digitalisierung, im Maschinenbau an sich, Maschinen an Big Data-Systeme, an Cloud-Systeme anzubinden. Man muss strategische Partnerschaften mit Anbietern, mit anderen Firmen aufbauen, um dann gemeinsam bessere Lösungen an den Markt zu bringen.

Stephan Baur: Ich denke, wenn man sich in der Digitalisierung entwickeln will, sich vielleicht ein kleines bisschen an der eigenen Kulturnase fassen muss. Wir Ingenieure sind es ja gewöhnt, wir machen eine möglichst genaue Analyse. Dann machen wir einen Plan und setzen diesen um. Das Ziel ist schon ganz klar vor Augen. Ich glaube, wenn man mehr in Digitalisierungsprojekte geht, dann muss man mehr sagen: Wo ist jetzt die Innovation? Lass uns vielleicht den geeigneten Partner dazu finden! Und dann lass es uns einfach mal probieren. Man wird das nicht in der letzten Detaillierungsstufe durchkonstruieren können. Also da müssen wir uns ein bisschen in der Art, wie wir unsere Projekte bearbeiten, umorientieren. Man muss die Zielrichtung wissen, wo man hin will. Und danach an der Sache arbeiten.

www.epp-online.de/productronica/

Hier finden Sie Teil 1 und Teil 3

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