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Intelligentes Design nach dem Cradle to Cradle-Prinzip 

Matthias Fehrenbach, Eutect GmbH, über Zukunft und Nachhaltigkeit
Intelligentes Design nach dem Cradle to Cradle-Prinzip 

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Das Cradle to Cradle-Prinzip steht für eine durchgängige, konsequente Kreislaufwirtschaft. Matthias Fehrenbach ist Geschäftsführer des eigentümergeführten Unternehmens Eutect. Er erläutert im Gespräch mit der Redaktion das Nachhaltigkeitsprinzip im Detail.

EPP: Herr Fehrenbach, woher kommt die Idee des Cradle to Cradle-Prinzips?

Matthias Fehrenbach: Das Cradle to Cradle-Prinzip wurde in den 90er-Jahren von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt. Dabei hat sich der deutsche Verfahrenstechniker Michael Braungart insbesondere mit der Entwicklung und Umsetzung von Umweltschutzkonzepten und umweltverträglichen Produktionsverfahren beschäftigt.

EPP: Was ist das Besondere am Eutect-Cradle to Cradle-Prinzip?

Matthias Fehrenbach: Unsere Philosophie der Maschinenentwicklung begründet sich im grundsätzlichen Denkansatz von „Out of the Box“. Weil wir von unserem Tun überzeugt sind, können wir auch unsere Kunden vom Potenzial der AVT-Highend-Lötprozess-Performance begeistern. Wir wissen, wohin wir mit unserer Wertschöpfung wollen. Deshalb stellen wir die Cradle to Cradle-Intelligenz an den Anfang der Wertschöpfungskette und richten das Maschinen-Prozess-Design stets auf die Zukunft und Nachhaltigkeit aus. Cradle to Cradle zielt darauf ab, eine intelligente, innovative und effektive Kreislaufwirkung zu generieren. Dabei ist das Prinzip kein moralischer, sondern ein intelligenter Ansatz. Faktoren wie Kostenkalkulation oder die Auswahl der Komponenten begrenzen uns dabei nicht. Vielmehr bildet diese Herangehensweise im Eutect-Maschinenbaukonzept die Grundlage für einen nachhaltigen Cradle to Cradle-Maschinenkreislauf. So nutzen wir für alle Kundenprojekte erfolgreich den bereits 20 Jahre „jungen“ Eutect-Modulbaukasten (MBK). Außerdem bildet neben der Wiederverwertung auch unser Maschinenrücknahmekonzept nach der Nutzungsdauer das Fundament dieser zukunftsorientierten modularen Konzeptionsgrundlage. Wie die Praxis zeigt, werden Lötanlagen nach 5, 10 oder 20 Jahren im Rückkaufprinzip der „Eutect-Wiege“ für einen erneuten Cradle to Cradle-Kreislauf zur Verfügung gestellt. Wir von
Eutect recyceln am Ende des Produktionskreislaufes gebrauchte Maschinenteile nicht, sondern upcyclen diese. Damit bleibt die Wertschöpfung bereits erbrachter geistiger und materieller Wertschöpfungen bis hin zu umfangreichen Lötprozessfunktionen im Kern erhalten und landen nicht auf dem Wertstoffhof. Weil wir unsere Lötanlagen in kompromissloser Qualität herstellen, bleiben sie für den Cradle to Cradle-Kreislauf interessant.

EPP: Welche Vorteile zieht Eutect aus den nach dem Cradle to Cradle-Prinzip designten Lötanlagen?

Matthias Fehrenbach: Nehmen wir Eutect-Lötanlagen zurück, nutzen wir diese als Materialdepot und zugleich als Datenbank für Dienstleistungen für den abfallfreien Technologiekreislauf. Im Unterschied zum klassischen Recycling reduziert sich dabei die Qualität nicht. Auch gehen keine Materialressourcen und manifestierte Mitarbeiterpotenziale verloren. Weil es sich hier vielmehr um „Nahrung“ für ein neues Produkt handelt, wird das Prinzip des Abfalls neu definiert. Aus Altem wird etwas Neues geboren. Der Name Cradle to Cradle, also von der Wiege zur Wiege leitet sich daraus ab. Somit ist das Cradle to Cradle-Prinzip ein Innovationskonzept, das sich über den Nutzen definiert. Das wird sich sicherlich auf den deutschen Maschinenbau auswirken. Der Markt wird zukünftig lediglich an der Nutzung der Maschinen interessiert sein. So werden beispielsweise keine Lötmaschinen konsumiert werden. Stattdessen die lösungsorientierte Dienstleistung dahinter. Beim Cradle to Cradle-Prinzip steht also nicht der Bedarf einer Anlage im Vordergrund, sondern der Gebrauch für einen bestimmten Zeitraum.

EPP: Welche ökonomischen Vorteile bietet dies dem Kunden?

Matthias Fehrenbach: Eine von
Eutect nach Cradle to Cradle-Ansätzen konzipierte Lötanlage erlaubt es letztlich, Kosten zu reduzieren. Schließlich lassen sich durch den Einsatz höherwertiger Materialien von Anfang an bessere Produkte entwickeln. Wir konkurrieren also nicht mit Billigprodukten. Zugleich ist es ein großes Vorurteil, Cradle to Cradle-Produkte als teurer einzustufen. Im Gegenteil. Diese Produkte sind im Schnitt etwa 20% kostengünstiger. Außerdem haben die komplett überarbeiteten Maschinen eine kürzere Lieferzeit. Für die Prototyping-Phase unter Originalprozessbedingungen stehen diese als Miet-Leasing-Anlagen oder in unserem hauseigenen Technikum als Testanlagen für die Vorserienproduktion zur Verfügung. Neue Service- und Abrechnungsmodelle ermöglichen außerdem einen flexiblen, risikofreien entwicklungsnahen Produktionseinstieg. Eine Lötmaschine muss dazu nicht gekauft werden. Kurz gesagt: Maschine on demand = Lösung on demand. Die innovative Revolution dieser Produkte liegt demzufolge darin, einen Kreislauf von Rohstoffen, Material, Dienstleistungen, Produktion und Nutzungsdauer bis hin zur Maschinenrücknahme frei von Abfällen bei gleichzeitigem Erhalt von Werten entstehen zu lassen.

EPP: Sie meinen, Nachhaltigkeit ist ein reines Schuldmanagement. Was verstehen Sie im Detail darunter?

Matthias Fehrenbach: Heutzutage lehrt jede Designschule das Cradle to Cradle-Prinzip. Mittlerweile gibt es 11.000 zertifizierte Cradle to Cradle-Produkte und zahlreiche Cradle to Cradle-Modellregionen. Die Definition intelligenter Cradle to Cradle-Produkte ist dabei recht einfach: ein Produkt ist dann intelligent, sobald es sich nach der gesamten Nutzungsdauer nahezu ohne Abfall für das gleiche oder ein höherwertiges Produkt verwenden lässt. Ist dies nicht möglich, hat das Produkt ein Qualitätsproblem. Oder anders gesagt: das Produkt wurde dann nicht zukunftsfähig, also nicht intelligent, designed. Während aktuelle Nachhaltigkeitsstrategien die falschen Produkte perfektionieren, erlaubt das Cradle to Cradle-Prinzip das ressourcenschonende Erschaffen neuer Produkte. Schließlich nutzt es nichts, Dinge zu perfektionieren, um sie weniger schädlich zu machen. Denn, letztlich bleiben auch die perfektionierten Produkte umweltschädlich. Die Cradle to Cradle-Methode zielt hingegen darauf ab, innovative Technik innerhalb der Wertschöpfungskette aus vorhandenen Ressourcen zu entwickeln.

EPP: Das Cradle to Cradle-Prinzip hört sich nach einer industriellen Revolution an…

Matthias Fehrenbach: Das ist es auch! Die Zeit ist mehr als reif, um sich der Frage zu stellen, worin sich effektives und richtiges Handeln begründet. Es gilt, die Wertschöpfungspotenziale im Upcycling bleibend und dadurch nachhaltig verfügbar zu halten. Im Unterschied zum klassischen Recycling wird im Rahmen der Cradle to Cradle-Wiederverwertung die Qualität nicht reduziert. Auch gehen keine Ressourcen verloren. Vielmehr entsteht immer ein neues Produkt.

EPP: Ist es tatsächlich möglich, Maschinen abfallfrei herzustellen? Und welches Resümee ziehen Sie daraus?

Matthias Fehrenbach: Die Antwort ist ja. Vorausgesetzt, Materialien lassen sich von Anfang an für eine Kreislaufwirtschaft anhand von Stücklisten, QR-DMC-Codes, Datenblätter, Herstellernachweise etc. klar zuordnen und definiert einfordern. Vor allem sollte die 4.0-Materialdatenrückverfolgung auch nach der Nutzungsdauer von typischer Weise 10 bis 20 Jahren vorliegen. Es ist nicht sinnvoll, eine 4.0-Lötanlage oder beispielsweise einen Kühlschrank im Smart Home während der Nutzungsdauer zu verwalten, solange Wertstoffbestandteile wie zum Beispiel Kunststoffe, Kabel, Bunt-Stahl-Metalle etc. nicht trennbar und damit nicht kreislauffähig sind. Diese Stoffe landen unter der 4.0-Überschrift auf dem Schrottplatz und kostbare Rohstoffe werden nicht genutzt. Cradle to Cradle bietet hingegen ökonomisches Potenzial. Es liegt also an uns, Produkte intelligent zu designen, damit sie dem Kreislauf erhalten bleiben können.

Vielen Dank für das interessante Gespräch Herr Fehrenbach.

www.eutect.de


Nachgefragt

Interview mit Matthias Fehrenbach, Geschäftsführer der Eutect GmbH

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