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KI in der Produktion – der richtige Schritt in die Zukunft

Christian Reinwald von reichelt elektronik thematisiert die Erwartungen an KI
KI in der Produktion – der richtige Schritt in die Zukunft

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Christian Reinwald der reichelt elektronik gibt seine Einschätzung zur Versorgung der Produktion mit Elektronikkomponenten und Produkten, die in China gefertigt werden. Foto: reichelt elektronik
Der Trend zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ist in Deutschland ungebrochen. Besonders im produzierenden Gewerbe sind Entscheider vom Potenzial der Technologie überzeugt. Unternehmen erhoffen sich mit KI eine erhebliche Steigerung der Wertschöpfung. Doch der Einstieg und die Implementierung sind für viele auch mit Hindernissen verbunden: Fehlendes Fachwissen und schlecht zugängliche Daten sind nur die Spitze des Eisberges. Nahezu die Hälfte der Unternehmen, die in den letzten 5 Jahren KI-Projekte durchgeführt haben, würden diese heute anders angehen*. Ist KI also eine schöne Theorie aber in der Praxis zum Scheitern verurteilt? Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing bei reichelt elektronik, beleuchtet die Situation näher.

EPP: Herr Reinwald, in Ihrer Umfrage geben etwa die Hälfte aller Befragten an, sie würden eine Implementierung von KI heute anders angehen. Ist KI für den Einsatz in der Praxis noch nicht bereit?

Christian Reinwald: Künstliche Intelligenz ist noch immer eine relativ neue Technologie. Damit einhergeht, dass für die Implementierung noch nicht so viele Erfahrungswerte bestehen. Unternehmen müssen sich also langsam herantasten. Dass dabei nicht immer alles perfekt läuft, ist menschlich und selbstverständlich. Nur 13 Prozent gaben in unserer Umfrage an, alles anders machen zu wollen. Es handelt sich in den meisten Fällen also um Korrekturen eines insgesamt doch gelungenen Projekts. Ich finde es sogar erfreulich, dass Unternehmen heute dazugelernt haben und einige Schritte bei der Vorgehensweise aufzählen können, die sie heute anders machen würden. Das zeigt, dass wir an Herausforderungen wachsen und die Einsatzmöglichkeiten für KI in der Industrie weiterentwickeln.

EPP: Was würden Unternehmen heute in ihrer Vorgehensweise besonders oft anders machen?

Christian Reinwald: Ganz oben auf der Liste stehen eine bessere Planung und eine übergreifende Strategie. Diese Punkte sind kritisch für den Erfolg von KI-Projekten im eigenen Unternehmen. Unsere Umfrage ergab zum Beispiel, dass nur 60 Prozent der produzierenden Unternehmen bereits eine umfassende KI-Strategie haben. Etwa ein Drittel (34 %) wiederum erklärt, bislang nur in Teilprojekten zu investieren. Kleinere Pilotprojekte sind zu Beginn sicherlich eine gute Strategie, um den Nutzen für die eigenen Prozesse testen und Anpassungen vornehmen zu können. Darauffolgen sollte dann eine übergreifende Strategie, die Unternehmen eine klare Richtlinie gibt. In gewisser Weise kann man deshalb aus diesen Daten auch ableiten, in welchem Stadium sich Unternehmen befinden. Sind sie noch in der Testphase oder gehört KI schon fest zum Produktionsalltag?

EPP: Welchen Einfluss spielt dabei das Personal?

Christian Reinwald: Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, den viele Unternehmen heute anders angehen würden. So erklären die Befragten, sie würden die eigenen Mitarbeiter heute von Anfang an stärker in die Prozesse einbeziehen. Dadurch wären bereits in einem frühen Stadium alle in die Implementierung involviert und könnten mehr Vertrauen zur Technologie aufbauen.

EPP: Wie groß ist allgemein das Vertrauen in KI in den Unternehmen?

Christian Reinwald: Hier gibt es zwei große Zweifel, die ausgeräumt werden müssen. Der erste ist das Vertrauen in die künstliche Intelligenz selbst und deren Ergebnisse. Gerade im Bereich Deep Learning mithilfe von neuronalen Netzwerken ist es für uns Menschen nicht immer nachvollziehbar, durch welche Berechnungen die KI zu ihren Ergebnissen gelangt. Diese Zweifel konnten durch mehr Erfahrungen mit KI sowie diversen Initiativen für mehr Transparenz und Verantwortung verringert werden. Zudem ist das Bewusstsein in welcher Form Daten für ein Training aufbereitet werden, gestiegen. Wenn diese bereits eine Verzerrung oder Vorbelastung enthalten, wird dies auch in der KI weiterbestehen. Ein gutes Beispiel dafür sind Spracherkennungsfunktionen, die oft die Stimmen von Männern besser erkennen als die von Frauen – einzig aus dem Grund, dass die Datenbank, mit der sie trainiert wurden, mehr männliche Stimmen enthält.

EPP: Und die andere Hürde, die genommen werden muss?

Christian Reinwald: Diese Hürde betrifft eher die Art und Weise, wie wir in den Unternehmen aber auch in unserer Kultur als Ganzes über KI diskutieren. Haben wir Angst, dass KI unsere Arbeitsplätze wegnehmen wird, oder sehen wir in KI Chancen, um uns einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten und sogar neue Arbeitsplätze zu schaffen? Unbestreitbar werden durch KI bestimmte Job-Profile nicht mehr oder nicht mehr im gleichen Maße nachgefragt – so, wie wir das bisher bei jeder technischen Revolution von der Dampfmaschine bis zur ersten digitalen Revolution gesehen haben. Auf der anderen Seite haben sich mit jeder dieser tiefgreifenden Veränderungen neue Arbeitsmöglichkeiten ergeben, deren Anforderungen wir uns zuvor gar nicht vorstellen konnten. Auch durch KI wird sich unsere Arbeitswelt ändern.

EPP: Sind Unternehmen Ihrer Meinung nach optimistisch genug, um die Chance KI wahrnehmen zu können?

Christian Reinwald: Ja, eindeutig. Unsere Umfrage hat gezeigt, dass bereits 58 Prozent KI implementiert haben. 87 Prozent sehen es als es realistisch an, dass immer mehr Roboter Aufgaben von Menschen übernehmen werden. Für ein Drittel der Befragten steht fest, dass KI bereits in vier bis sechs Jahren Standard in der Industrie sein wird. Die deutsche Industrie hat die Chancen von KI erkannt und arbeitet daran, diese auch zu nutzen. Wollen wir nicht von Konkurrenz aus den USA und Ostasien abgehängt werden, ist KI eine der Schlüsseltechnologien, die uns wettbewerbsfähig hält.

EPP: Was sind derzeit die häufigsten Gründe für Unternehmen, in KI zu investieren?

Christian Reinwald: Produzierende Unternehmen verstehen KI vor allem als Tool für die Optimierung der Produktion. Es geht um Produktivitätssteigerung (38 %), Qualitätskontrolle (36 %) sowie Prozessoptimierung (35 %). Auch für Cyber Security wird die Technologie immer häufiger eingesetzt (34 %). Hier sehen wir, dass KI sich bereits als sehr nützlich erwiesen hat, bestimmte Aufgaben oder Schritte im Produktionsprozess – z. B. Qualitätskontrolle – effizienter zu machen und zur Wertschöpfung der Unternehmen beiträgt. In Zukunft werden wir sehen, wie Unternehmen durch KI neue Geschäftsfelder erschließen oder ganz neue Geschäftskonzepte entstehen, die von Grund auf KI-gestützt sind. Wir stehen an einem Wendepunkt, an dem die sich Technologie exponentiell entwickeln wird. Schnellere Rechenleistung, Robotik, KI und eine Vernetzung aller Dinge werden in kürzester Zeit eine Arbeitswelt und neue Möglichkeiten erschaffen, die uns vor ein paar Jahren noch utopisch erschien.

www.reichelt.de

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